Elfenbeinküste
Truppen von Gbagbo wieder auf dem Vormarsch

Die schon geschlagen geglaubten Truppen des abgewählten Präsidenten der Elfenbeinküste, Gbagbo, scheinen wieder an Terrain in Abidjan zu gewinnen. Möglicherweise gab es in dem Land auch ethnisch motivierte Massenmorde.  
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New York/Abidjan/Genf Die Truppen des abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo in der Elfenbeinküste scheinen wieder Geländegewinne zu machen. Die Truppen des international nicht anerkannten Präsidenten hätten wieder Teile der Wirtschaftsmetropole Abidjan erobert, sagte UN-Untergeneralsekretär Alain Le Roy am Freitagabend in New York. Sie stünden nur noch einen Kilometer vom „Golf“-Hotel entfernt, in dem die Vereinten Nationen ihr Hauptquartier haben.

Noch wenige Tage zuvor schien es nur eine Sache von Stunden zu sein, bis Gbagbo aufgibt und dem rechtmäßig gewählten Präsidenten Alassane Ouattara Platz macht. Le Roy, Chef aller UN-Soldaten weltweit, bestätigte, dass Vertraute von Gbagbo zu den UN-Vertretern

gekommen waren, um eine friedliche Übergabe der Macht auszuhandeln. Jetzt sieht es so aus, als sei das nur ein Trick gewesen, um die eigenen Truppen umzugruppieren. Gbagbos Einheiten setzen nach Le Roys Worten Mörser und andere schwere Waffen ein. „Wenn sie sagen, dass sie keine schweren Waffen mehr haben, stimmt das nicht. Sie haben BM-21Ä-GeschosswerferÜ, sie haben Panzer, sie haben RPGsÄ-Panzerfäuste und sie setzen, während wir hier reden, gegen ihre eigene Zivilbevölkerung ein.“ Die UN hatten Anfang der Woche Kampfhubschrauber eingesetzt, um Zivilisten vor den schweren Waffen Gbagbos zu schützen.

Nach Informationen der Vereinten Nationen möglicherweise auch ethnisch motivierte Massenmorde gegeben. Menschenrechtsexperten hätten in den vergangenen Tagen an mehreren Orten im Westen des Landes mehr als 100 Leichen entdeckt, erklärte der Sprecher des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Freitag in Genf. „Alle Vorkommnisse scheinen zumindest teilweise etwas mit ethnischen Motiven zu tun zu haben“, sagte der Sprecher, ohne nähere Einzelheiten zu nennen. Auch gebe es Berichte von weiteren Massakern als Racheakte in der Region.

Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat Berichte von Massakern erhalten, bei denen in Douékoué, etwa 150 Kilometer nördlich von Tabou, über 800 Menschen umgekommen sein sollen. Unterdessen sei der Flüchtlingsstrom aus Elfenbeinküste in die Nachbarländer auf 150 000 Menschen angeschwollen, sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards in Genf. Davon seien 135 000 in Liberia untergekommen. Allein am Mittwoch seien etwa 4500 Menschen im Südosten des Nachbarlandes eingetroffen. Die Menschen seien müde, hungrig und erschöpft, manche auch verwundet, sagte Edwards. Vor den Kämpfen in Abidjan seien viele Zivilisten nach Ghana geflohen. Dort seien bisher 7200 Menschen in Lagern untergebracht.

EU-Sanktionen gelockert

Außerdem hat die EU einen Teil ihrer Sanktionen gegen die Elfenbeinküste aufgehoben. Damit sollten die„legitimen“ Kräfte der Regierung von Alassane Ouattara gestärkt werden, hieß es am Samstag in einer Mitteilung des Ministerrates in Brüssel. Die Häfen von Abidjan und San Pedro, eine Raffinerie und die Behörde für den Kakaoexport wurden von einer Liste von Unternehmen genommen, deren Vermögen in der EU bisher eingefroren waren. Damit können auch wieder Zahlungen an diese Unternehmen geleistet werden.

Der von der internationalen Gemeinschaft als Wahlsieger in Elfenbeinküste anerkannte Ouattara hatte um eine Aufhebung der Sanktionen gebeten, um die Wirtschaft des westafrikanischen Landes nach monatelangem blutigen Machtkonflikt wieder aufzubauen. Andere Sanktionen gegen den abgewählten Präsidenten Laurent Gbagbo und dessen Vertraute - beispielsweise Einreiseverbote und das Einfrieren von Konten - bleiben in Kraft.

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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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