EM-Boykott-Beschluss
Deutsche Politiker warnen vor Bruch mit der Ukraine

Dass die EU-Kommission die Fußball-EM in der Ukraine boykottiert, ist ganz im Sinne vieler Deutscher. Doch was in einer Umfrage befürwortet wird, könnte fatale Folgen für den Westen haben, warnen Politiker.
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BerlinPolitiker von FDP und SPD haben vor einer weiteren Zuspitzung des Konflikts mit der Ukraine gewarnt. Er respektiere zwar, dass die EU-Kommission der Fußball-Europameisterschaft fernbleiben wolle. „Es ist allerdings wichtig, nicht alle Gesprächsfäden mit der Ukraine abreißen zu lassen“, sagte der hessische Justizminister und stellvertretende Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn (FDP) Handelsblatt Online. Das helfe weder der ehemalige ukrainischen Regierungschefin Julia Timoschenko noch den vielen Menschen in der Ukraine, die für eine Öffnung des Landes kämpften. „Von daher darf dieser Schritt nicht den Abbruch der Beziehungen bedeuten.“

Harsche Kritik an der Boykott-Ankündigung der EU-Kommission äußerte der SPD-Außenpolitiker Niels Annen. „Alle Beteiligten, nicht zuletzt auch die EU Kommission, sollten sich (…) die Worte von Polens Präsident Komorowski und Premierminister Tusk zu Herzen nehmen, die eindrücklich vor einem Rückschlag bei den Bemühungen um die Westintegration der Ukraine gewarnt haben“, sagte das SPD-Bundesvorstandsmitglied Handelsblatt Online. „Der Wettlauf um Schlagzeilen hilft weder Frau Timoschenko noch der Ukraine.“ Klar sei aber auch, dass die „inakzeptable Lage“ der ehemaligen Regierungschefin „unverzüglich“ beendet und „umfassende“ medizinische Versorgung sichergestellt werden müsse. „Die Bemühungen der Bundesregierungen mit Kiew zu einer politischen Lösung zu kommen sind daher zu begrüßen“, sagte Annnen. Gegebenenfalls sollten weitere Staaten der Region in diese Bemühungen mit einbezogen werden.

Polens Regierungschef Donald Tusk hatte gewarnt, der Ruf des Nachbarlandes könne gewaltigen Schaden nehmen. Das ukrainische Außenministerium wehrte sich gegen die Vorwürfe des Westens und erklärte, der Sport dürfe nicht instrumentalisiert werden. Russland bot unterdessen an, Timoschenko medizinisch zu behandeln.

Hahn sagte, jetzt müssten die einzelnen EU-Mitgliedstaaten für sich entscheiden, ob sie der Boykott-Ankündigung Brüssels folgen wollten. Lobend äußerte sich der FDP-Politiker dazu, dass sich in Deutschland bereits viele Politiker gegen einen Boykott entschieden hätten. „Das ist gut so“, sagte er. „Wir sollten uns aber mit Ratschlägen gegenüber anderen Ländern zurückhalten und nicht den moralischen Zeigefinger Europas spielen“, fügte er hinzu. Das Sportereignis Fußball-Europameisterschaft habe den Fokus der Öffentlichkeit bereits direkt auf den wunden Punkt des Systems Wiktor Janukowitsch gelegt. Das sei mehr, als die Politik zuvor habe erreichen können.

Kommentare zu " EM-Boykott-Beschluss: Deutsche Politiker warnen vor Bruch mit der Ukraine"

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  • Lensoes,

    >> Das mit den "pads"

    Ja, Schande ... Früher brauchte es einen Espresso, mit dem meine Gattin angeblich die Zaunpfähle lackieren wollte, dann gab's die "Hallo Wach" Pads, die sie jetzt aber eingestellt haben ... bleibt nur noch der gute Stoff aus Luxembourg, der aber eher ein französischer ist.

    >> die EU-Priestergilde darf nicht als moralische Puppe agieren

    100% d'accord. Wobei ich ja vermute, die tun das nicht aus Boshaftigkeit eher aus Unverstand und Unfähigkeit.

    >> gewaltigen (inneren) Verwerfungen oder gezielt gesteuerten Regionalkonflikten.

    Deshalb, werter Lensoes, lese ich Sie: Da perlt bei mir jedenfalls jedes einzelne Wort über die Zunge und ich "schmecke nach".

    Worin wir uns unterscheiden: Ich sehe das halb volle Glas, ich habe beobachtet, wie die zumindest versuchen,
    den Kram solidarisch in den Griff zu kriegen. Das hat mich nicht "beruhigt", aber es gab mir doch die Ahnung, daß sie sich zumindest "bemühen", das gemeinsam hinzubekommen. Ich konnte mir eine Fantastillion Alternativen vorstellen und ... hmmm ... meine Mädels würden mich wahrscheinlich eher als "Schwarzseher" einsortieren, der sie immer warnt, sie sollen sich mit Politik auseinandersetzen, weil zu befürchten steht, daß Ihnen das alles mal um die Ohren fliegen könnte.

    Hier bin ich ja die Ausgeburt des stets optimistischen Flaneurs. IRL kann ich eine ziemlich paranoide Nervensäge sein ;-)

    Das mit dem "gesteuert" wird mich jetzt auf jeden Fall noch eine Zeitlang beschäftigen ...

    >> Schaun wir nächste Woche mal ins griechisch-französische Eckcafe

    Mit großer Gelassenheit ;-)


  • @hardy

    Das mit den "pads" nehm ich Ihnen als "Coffiezelebrierer" jetzt wirklich Übel. Cafevewahrlosung. Ich fürchte um mein ( unser) Oldie-Europe.

    Scherz beiseite, die EU-Priestergilde darf nicht als moralische Puppe agieren, sondern muss vielmehr versuchen "allentscheidende Geschäftslegionen" hinter sich zu sammeln. Ein baldiges ja absehbares "driften" betroffener Gesellschaften führt vmtl. schon sehr bald zu gewaltigen (inneren) Verwerfungen oder gezielt gesteuerten Regionalkonflikten.

    Die Euro-Stabilität entscheidet über die politische "lose Blattsammlung Europa". Mittelbar vmtl. auch über involvierte bestimmte Finanzplätze.


    Vergessen Sie bitte bei aller "Initial-Euphorie" nicht, Moral und Anstand ist smarten "Sonnenbrillen" shit-egal. Und deswegen...., ganz Ihrer Meinung,
    helfen Schuldzuweisungen Kohl - Merkel - Schröder etc wenig, ermüdend hier permanent vorgetragene Anschuldigungsscharmützel.
    Schaun wir nächste Woche mal ins griechisch-französische Eckcafe. Guter Stoff...für Europe

  • Lensoes,

    >> Ein Auslandsaufenthalt als Antwort auf die Krise : nein.
    >> Eine neue EU: ja

    Ich verstehe: Sie wollen mir meinen Frühstückscafe vergällen ... aber auch wenn die vier Pads Jqcqmotte moca absolu - diese Woche mit Euro in Luxembourg gekauft vier Pads in einer Tasse - mich gleich gefühlt durch die Decke gehen lassen: das nehme ich doch ganz gelassen ;-)

    Die "Altherren"-Idee würde den Blick für den Nachbarn überhaupt erst erlauben und da ich selbst sozusagen das Produkt einer solchen "Altherren"-Idee (sie erinnern, das waren Adenauer und deGaule, die sie ausbrüteten) bin, spreche ich aus Erfahrung

    Eine "neue EU", die werden wir nicht bekommen, weil - im Gegensatz zu den Alten Herren - den neuen (naja Herren kann man die ja nicht nennen) Herrschaften die Erfahrung abgeht, die die alten eben hatten, von Verdun bis Stalingrad.

    Eine "neue" bekämen wir nur, wenn ... Sie verstehen? Ratten und Kakerlaken gründen keine EU. Die nächste auf öffentlichen Plätzen ausgetragene "Wettkampf der Nationen" wird wohl nicht viel übrig lassen.

    Wir werden wohl damit leben müssen, daß wir die, die existiert, "fixen" müssen. Daß sie "buggy" ist und die Programmierer von EU v 1.0 noch in einem heute unverständlich erscheinenden Maschinensprache arbeiteten, okay, aber ich halte das Grundkonzept immer noch für stabiler als man so ahnt.

    Vielleicht liegt das ja daran, daß ich auch ein "alter Herr" bin und meine Verwandschaft von Stalingrad und Verdun erzählen konnten, nichts heroisches, wie Sie ahnen.

    Lensoes, weder Sie noch ich werden erleben, daß das auseinanderbricht. Es hat lange gedauert, bis die ProEuropäer das Wort ergriffen haben. Das war erst der Anfang.

    Die Jugend, die ich ja nun auch kenne, naja, der klüger Teil, die arbeitet zb. in Luxembourg hier www.ieis.lu etwa. Nur weil die Europa für eine _Gegebenheit_ halten und nichts, was man groß erkämpfen muss, sollte Sie nicht darüber hinwegtäuschen, daß sie es nicht mehr hergeben wird ...

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