Emissionshandel: E-mission impossible

Emissionshandel
E-mission impossible

Energiekonzerne und Industrie kämpfen schon jetzt um die beste Ausgangsposition für die zweite Stufe des Emissionshandels, die 2008 gezündet wird. Weil die zulässige Emissionsmenge verringert wird, drohen höhere Preise. Das will die Politik verhindern.

DÜSSELDORF/BERLIN. Das Produkt hat einen Preis – und der liegt hoch: 27,48 Euro kostete am Montag am Terminmarkt ein Zertifikat, das einen Versorger oder einen Industriebetrieb zum Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid im Jahr 2008 berechtigt. Der Emissionshandel wird die Unternehmen auch in Zukunft mit Millionenbeträgen belasten.

Seit gut einem Jahr wird europaweit mit Emissionszertifikaten gehandelt. Anlagenbetreiber müssen für jede Tonne Kohlendioxid, die bei der Produktion anfällt, ein Zertifikat vorweisen und gegebenenfalls von Konkurrenten zukaufen. 2008 wird Stufe zwei des Klimaschutzinstruments gezündet. Dann werden die Vorschriften verschärft, wird die Menge der zulässigen Emissionen verknappt.

Wie genau die Rahmenbedingungen aussehen sollen, das wird zurzeit festgezurrt. In Berlin rangeln die Lobbyisten von Energiewirtschaft und Industrie um ein möglichst großes Stück vom Kuchen. Fest steht, dass die deutsche Wirtschaft in den Jahren 2008 bis 2012 jährlich 495 Mill. Tonnen Kohlendioxid ausstoßen darf. Das sind acht Mill. Tonnen weniger als in der ersten Handelsperiode. Der Kuchen wird also kleiner. Bis Ende Juni muss die Bundesregierung den Nationalen Allokationsplan (NAP) aufstellen, der die Spielregeln festlegt, und der EU-Kommission zur Genehmigung vorlegen.

Vor allem zwischen der Energiewirtschaft auf der einen Seite und den energieintensiven Industrien Chemie, Aluminium, Stahl, Zement und Papier auf der anderen Seite zeichnet sich ein harter Verteilungskampf ab. Auf der Seite der Politik hat Matthias Machnig das Heft in der Hand. Aus den betroffenen Branchen heißt es, die Branchenvertreter gäben sich bei dem Staatssekretär im Bundesumweltministerium derzeit die Klinke in die Hand. Machnig versuche im „offenen Dialog“ mit allen Beteiligten eine Linie zu finden. In Koalitionskreisen heißt es, man werde in den nächsten Wochen noch intensive Gespräche mit allen beteiligten Branchen und Verbänden führen.

Der Emissionshandel ist schon jetzt zu einem großen Kostenfaktor geworden – und zu einem Streitpunkt zwischen Stromproduzenten und ihren Kunden. Der Preis für ein Zertifikat der aktuellen Handelsperiode liegt um mehr als 20 Euro höher als zum Handelsbeginn vor einem Jahr. Die Entwicklung ist dramatisch. Gerechnet hatten Experten im Vorfeld mit allenfalls zwölf Euro.

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