Empörung in Australien
Mufti gibt Unverschleierten Schuld an Vergewaltigungen

Australiens oberster muslimischer Geistlicher hat mit einer Predigt einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Unverschleierte Frauen, so hatte der Mufti gesagt, seien selbst Schuld, wenn sie Opfer sexueller Gewalt würden. In Down Under ist die Empörung groß.

HB SYDNEY. In einer Predigt zum islamischen Fastenmonat Ramadan deutete Sheik Tadj Din al-Hilali (66) an, dass Frauen, die ihr Gesicht nicht verhüllen, sexuelle Übergriffe regelrecht provozierten. „Wenn man Fleisch draußen auf die Straße, in den Garten oder den Park stellt, ohne es zuzudecken, dann kommen die Katzen und fressen es. Wer ist nun Schuld - die Katzen oder das unverhüllte Fleisch?

Das unverhüllte Fleisch ist das Problem“, sagte er in seine Rede auf arabisch. Frauen, die zu Hause bleiben und den Schleier anlegten seien jedoch vor sexuellen Übergriffen sicher.

Premierminister John Howard sprach von „entsetzlichen und verwerflichen“ Worten des führenden muslimischen Geistlichen. Gleichstellungsbeauftragte Pru Howard warf al-Hilali vor, Gewalt gegen Frauen anzustacheln und forderte die Ausweisung des gebürtigen Ägypters.

Die Äußerung des Scheichs verstärkte die Spannungen zwischen der konservativen Regierung und der muslimischen Gemeinde. 1,5 Prozent der australischen Bevölkerung sind Muslime. "Ich hoffe, dass die gemäßigten Muslime diese Äußerungen verurteilen werden und klar machen, dass es sich bei den Äußerungen nicht um die allgemeine Sicht des Islam handelt und dass man etwas dagegen unternehmen wird", sagte Finanzminister Peter Costello im australischen Fernsehen.

Al-Hilali hat sich inzwischen entschuldigt. Er habe lediglich die Ehre der Frauen verteidigen wollen.

Der Scheich ist zwar umstritten, gilt aber unter den Muslimen Australiens als besonders angesehen. Der islamische Geistliche hatte schon mehrmals für Schlagzeilen gesorgt. Er hat unter anderem palästinensische Selbstmordattentäter in Israel verteidigt und die Anschläge vom 11. September 2001 in den USA als „das Werk Gottes“ bezeichnet.

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