Empörung über „Starbucks Salute“
Obama und das Pappbecher-Fettnäpchen

Die USA führen Krieg, und Obama salutiert den Marines mit einem Pappbecher in der Hand. Skandal oder Petitesse? Viele regen sich nun auf: Mangelnder Respekt vor dem Militär ist für US-Politiker eine schwere Sünde.
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DüsseldorfEs ist ein Ritual seit Ronald Reagan: Wenn der amerikanische Präsident in seinen Hubschrauber ein oder-aussteigt, stehen Marines in Paradeuniform an der Treppe stramm und salutieren. Der Oberste Befehlshaber, so das Protokoll, erhebt dann ebenfalls die Hand zur Stirn. Ein Gruß, und ein Zeichen des Respekts für seine Truppen. Oder, wie das Handbuch der US Navy sagt: „Die wichtigste aller militärischen Gepflogenheiten“.  

Wahrscheinlich war Barack Obama einfach nur in Gedanken, als er bei seiner Ankunft mit der „Marine One“ am Dienstag in New York diesen Salut ins Lächerliche zog. Obama hielt beim Aussteigen einen Kaffee- oder Teebecher in der rechten Hand – diesen hob er halb in Richtung Stirn, streckte etwas die Finger, und latschte dann mit Sonnenbrille weiter.

„Ein Lügner, der das Militär verabscheut“

Nur ein Sturm im Pappbecher? Eine Kleinigkeit, die nach sechs Jahren Präsidentschaft und unzähligen Hubschrauber-Ausstiegen mal vorkommen kann?

Nicht ganz: Über Obama, den ohnehin schon unbeliebten Präsidenten, geht nun eine Welle der Empörung in den sozialen Netzwerken nieder. Mangelnder Respekt vor dem Militär ist neben mangelndem Patriotismus die schlimmste Sünde für einen amerikanischen Politiker. Und führt nicht das US-Militär seit Dienstag Krieg in Syrien?



Somit wird die Kaffeebecher-Petitesse, belegt durch ein Video (das Obama-Mitarbeiter selbst bei Instagram gepostet haben), zur neuen Image-Belastung für den Demokraten. Erst vor wenigen Wochen hatte Obama landesweit Entrüstung ausgelöst, als er kurz nach der Ansprache zur brutalen Enthauptung des US-Journalisten James Foley durch IS-Terroristen lächelnd über den sonnigen Golfplatz zog.

Die Reaktionen der Konservativen auf den „Starbucks Salute“ fallen nun entsprechend heftig aus. „Warte mal – hat Präsident Obama soeben den Marines mit einem Café Latte in der Hand salutiert?“, twitterte umgehend die Republikanische Partei. Der konservative Sender Fox News und die „Washington Times“ tobten, und Karl Rove, einst Intimus von Präsident George W. Bush, keifte: „Überrascht uns das?“ Obama sei ein „Chai-Tee runterspülender, Golf spielender, beim Basketball grölender Oberbefehlshaber“.

Seite 1:

Obama und das Pappbecher-Fettnäpchen

Seite 2:

Bush versuchte mit dem Hund in der Hand zu salutieren

Kommentare zu " Empörung über „Starbucks Salute“: Obama und das Pappbecher-Fettnäpchen"

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  • @never mind; den Friedensnobelpreis hat er nicht verdient, Präsident zu sein, da hatte er wohl die potenteren Sponsoren.

  • Ein ungebührliches Verhalten, entweder richtig oder gar nicht grüßen aber so! Was soll denn die Konsequenz sein, etwa Rücktritt? Anderorts werden Menschen grundlos abgeschlachtet wie respektvoll ist es den Opfern gegenüber so einen Faux pas derart wichtig zu nehmen?

  • @ never mind

    Heinrich Lübke ist noch öfters in noch viel schlimmere Fettnäpfchen getreten - er war trotzdem ein würdiger Bundespräsident. Der Lapsus von Obama ist nur eines: entsetzlich unwichtig.

    Schlimmer ist die konzeptlose Politik, die er betreibt.

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