Ende der Blockade
Pakistan will NATO-Nachschubroute wieder öffnen

Nach über einer Woche will Pakistan die für die ausländischen Soldaten in Afghanistan wichtige Nachschubroute über den Khyber-Pass wieder öffnen. Die Regierung hatte den Grenzübergang im Nordwesten gesperrt, nachdem ein Posten von einem US-Hubschrauber angegriffen worden war.
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HB ISLAMABAD. Nach mehr als einer Woche will Pakistan die für die ausländischen Truppen in Afghanistan wichtige Nachschubroute über den Khyber-Pass ab sofort wieder öffnen. Das teilte der pakistanische Außenamtssprecher Abdul Basit am Samstag mit. Die Regierung in Islamabad hatte den Grenzübergang Torkham im Nordwesten für NATO-Transporte am 30. September gesperrt. Sie reagierte damit auf den Beschuss eines Grenzpostens durch US-Hubschrauber aus Afghanistan, bei dem mindestens zwei pakistanische Soldaten starben. Ob der Nachschub über diese Khyber-Pass-Route sofort wieder aufgenommen werden kann, war unklar.

Aus pakistanischen Geheimdienstkreisen verlautete unterdessen, bei einem US-Drohnenangriff sei ein wichtiger Führer des Terrornetzwerks Al-Kaida getötet worden. Der Libyer Atiyah Abd al-Rahman, auf den die USA ein Kopfgeld von bis zu einer Million Dollar ausgesetzt haben, sei bereits am Donnerstag im pakistanischen Stammesgebiet Nord- Waziristan ums Leben gekommen. Zwei Raketen hätten ein Fahrzeug getroffen, mit dem Al-Rahman zusammen mit drei weiteren Personen im Gebiet Khushali unterwegs gewesen sei. Al-Rahman soll sich nach US- Angaben zusammen mit Bin Laden im Herbst 2001 in das unwegsame afghanisch-pakistanische Grenzgebiet zurückgezogen haben.

Der pakistanische Sprecher sagte weiter: "Nach Einschätzung der Sicherheitslage in allen Aspekten hat die Regierung beschlossen, die Nachschubroute über Torkham mit sofortiger Wirkung wieder zu öffnen." Man sei jetzt dabei, sich mit den Behörden auf der anderen Seite zu verständigen, um eine reibungslose Wiederaufnahme sicherzustellen. Zuvor hatten sich die USA für den Vorfall offiziell entschuldigt.

Seit der Blockade hatten Extremisten ihre Angriffe besonders auf die zu Hunderten auf Rastplätzen und an der Straße festsitzenden Lastwagen verstärkt.

Erst am Samstag schossen Bewaffnete im Südwesten Pakistans fast 30 Lastwagen mit Treibstoff in Brand. Wie die pakistanischen Behörden mitteilten, waren bis zu 20 Bewaffnete an dem Angriff im Bezirk Boland in der Provinz Baluchistan beteiligt. Der Konvoi war auf der alternativen Nachschubroute von der Hafenstadt Karachi ins südafghanische Kandahar unterwegs.

Es war der fünfte Überfall auf NATO-Versorgungskonvois in den vergangenen Tagen in Pakistan. Dabei wurden insgesamt 150 Lastwagen mit Nachschub der NATO-geführten ISAF-Schutztruppe zerstört. Zu vier Anschlägen bekannten sich die radikalislamischen Taliban. Die NATO-Truppen in Afghanistan beziehen rund 80 Prozent ihres Nachschubs über Pakistan.

Bei einem neuen US-Drohnenangriff im nordwestlichen Grenzgebiet zu Afghanistan wurden amF reitag mindestens sieben Menschen getötet. Wie aus pakistanischen Sicherheitskreisen verlautete, feuerte das unbemannte Flugzeug zwei Raketen auf ein vermutetes Extremistenversteck in der Gegend von Boya in Nord-Waziristan. Vier Aufständische seien dabei verletzt worden. Das Gebiet gilt als Hochburg der Taliban und der mit ihnen verbündeten Kämpfer des Terrornetzwerks Al-Kaida. Seit Anfang September kamen etwa 160 Menschen bei solchen Raketenangriffen ums Leben.

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