Ende der Korruption?
Wahldebakel in Malaysia besorgt die Börse

Malaysias Börse hat mit dem größten Kursrutsch seit der Asienkrise auf das Wahldebakel der Regierung reagiert. Diese hatte am Sonntag ihre Jahrzehnte alte Zwei-Drittel-Mehrheit auf Bundesebene verloren und findet sich in einigen industriell starken Regionen in der Opposition wieder.

NEU DELHI. Langfristig könnte der Wahlausgang die Korruption und Vetternwirtschaft zurückdrängen - doch kurzfristig fürchten die Anleger um die Stabilität des ethnisch gespaltenen Landes.

"Die erhöhte Unsicherheit wird der Börse schaden", prophezeit Michael Buchanan von Goldman Sachs. Infrastrukturprogramme und zentrale Reformen würden abgebremst. "Grabenkämpfe in der Regierung könnten andere wichtige Initiativen verzögern", warnt der Volkswirt. Unter anderem plant die Regierung Sonderwirtschaftszonen. Sie bemüht sich auch darum, rostige Staatsfirmen fit zu trimmen - mit gemischtem Erfolg.

Hinter den Kulissen gibt es erste Anzeichen für Machtkämpfe. Ex-Premier Mahathir Mohamad, das politische Urgestein der Nation, fordert offen den Rücktritt Abdullah Badawis. "Er hat die Regierungskoalition zerstört", poltert Mahathir gegen seinen von ihm einst handverlesenen Nachfolger. Zudem leide die Rassenharmonie. "Alle sind sehr wütend - Chinesen, Inder und Malaien", warnt Mahathir.

Die komplexe Rassenbalance im Lot zu halten ist eine zentrale Aufgabe malaysischer Politiker. Für die seit der Unabhängigkeit 1957 regierende "Nationale Front" legitimiert dies den Griff zu autokratischen Mitteln. An der Urne geriet sie zum letzten Mal 1969 unter Druck. Darauf folgten prompt Unruhen zwischen Chinesen und Malaien mit hunderten Toten. Diesmal blieb es im friedlich im Land. Analysten erklären das damit, dass die Regierung erstmals bei allen Volksgruppen massiv an Unterstützung einbüßte.

Unbeirrt von dem politischen Erdbeben ließ sich Abdullah Badawi gestern als Premier für fünf weitere Jahre einschwören. "Aber es wird ihm schwer fallen, die gedemütigte Koalition hinter sich zu halten", sagt ein Diplomat. Spätestens beim nächsten Parteitag sei eine Palastrevolte möglich.

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