Ende der Produktionsquoten
Es geht um ihre Milch

Am 1. April lässt die EU ihre Produktionsquoten für Milchprodukte fallen. Davon könnte ein Land besonderes profitieren: Irland. Deshalb hat sich die Grüne Insel auch jahrelang darauf vorbereitet.
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Im Eingangsbereich des Landwirtschaftsministeriums in Dublin hängt ein TV-Bildschirm, auf dem eine Digitaluhr die Sekunden bis zum 1. April rückwärts zählt. Das ist der Tag, an dem die Europäische Union ihre Produktionsquoten für Milchprodukte fallen lässt, die seit drei Jahrzehnten bestanden haben. Man kann es den Tag der Milch-Freiheit nennen – und Irland hat sich seit 2010 darauf vorbereitet. Unternehmen, Landwirte und die Regierung haben Hunderte Millionen Euro in Verarbeitungsbetriebe, Ausrüstung und mehr Kühe investiert, um der weltweit am stärksten wachsende Milchproduzent zu werden.

Obwohl die Preise wegen eines Milch-Überschusses in der Nähe eines Fünfjahrestiefs pendeln, treiben die Milchbauern auf der Grünen Insel ihre Expansionspläne voran. Denn aufgrund des regnerischen Klimas und der saftigen Wiesen Irlands können sie sehr günstig produzieren. Rund 10.000 Jobs werden dadurch in den nächsten fünf Jahren entstehen, schätzt die Regierung.

„Für Irland ist das ein Riesending“, erklärte Landwirtschaftsminister Simon Coveney im Interview mit Bloomberg am 12. März in Dublin. „Viele unserer Milchbauern verfügen über die Kapazität, ihre Produktion deutlich zu erhöhen.“

Weltweit dürfte sich dieser Vorstoß Irlands aber kaum auf das Angebot auswirken, selbst wenn die Produktion tatsächlich – wie Coveney erwartet – im Jahrzehnt bis 2020 um 50 Prozent auf etwa 7,5 Milliarden Liter erweitert wird. Die USA, die weltweite Nummer eins, produzieren diese Menge in einem Monat.

In Irland ist die Aufregung dennoch sehr groß. Denn auch wenn Länder wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien in Europa mehr produzieren, könnte die Grüne Insel dennoch am meisten vom Wegfallen der Quoten profitieren. Denn etwa 90 Prozent des Angebots fließt in den Export, und so gut wie die gesamte zusätzliche Milch wird ebenfalls ins Ausland verkauft werden.

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