Ende des dreimonatigen Gewaltverzichts in Europa zum 15. Juli angekündigt
El Kaida droht mit neuem Terror

El Kaida hat laut einem Zeitungsbericht der in London ansässigen Zeitung „Aschark al-Ausat“ mit neuen Anschlägen in Europa gedroht. In der veröffentlichten Erklärung kündigte die Extremisten-Organisation das am 15. Juli bevorstehende Ende des von El-Kaida-Chef Osama bin Laden im April verkündeten Gewaltverzichts an. Für das Bundesinnenministerium ist die Anschlagsdrohung nicht sehr glaubwürdig.

HB KAIRO/BERLIN/WASHINGTON. In der Erklärung heißt es nach Angaben der Zeitung vom Freitag: „An die Völker Europas ... Ihr habt nur noch wenige Tage Zeit, um das Angebot Bin Ladens anzunehmen oder ihr müsst Euch selbst die Schuld geben.“ Die im Westen lebenden Muslime wurden aufgefordert auszureisen, um sich in Sicherheit zu bringen. Wer dies nicht könne, solle Vorkehrungen treffen, für mindestens einen Monat Lebensmittel und Geld im Hause haben und viel beten.

Das Bundesinnenministerium hält die Drohung für nicht sehr glaubwürdig. „Diese Äußerungen sind mit großer Vorsicht zu genießen“, sagte Ministeriumssprecher Rainer Lingenthal am Freitag in Berlin.

Bei den Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden, von denen die Erklärung mit Datum 1. Juli stammen soll, handele es sich um ominöse Gruppe. „Die Bundesregierung wird sich irgendwelchen Ultimaten eines Kriminellen wie Bin Laden nicht beugen“, unterstrich Lingenthal. Er verwies auf die extrem hohen Sicherheitsvorkehrungen in Deutschland.

Die Abu-Hafs-el-Masri-Brigaden hatten sich auch zu den Bombenanschlägen auf Züge vom 11. März in Madrid bekannt, bei denen 191 Menschen getötet wurden. Die Gruppe wird von einigen Experten dem Terrornetzwerk El Kaida zugerechnet. Abu Hafs el Masri ist der Kampfname des von US-Truppen 2001 in Afghanistan getöteten Militärchefs von El Kaida, Mohammed Atef.

Arabische Nachrichtensender hatten am 15. April ein vom US- Geheimdienst als echt eingestuftes Tonband von Terroristenanführer Osama bin Laden ausgestrahlt, in dem von einem „Versöhnungsangebot“ an Europa die Rede war. Darin hieß es damals, El Kaida biete den Regierungen Europas an, alle Operationen in ihren Ländern einzustellen. Dafür müssten sie sich verpflichten, ihre Soldaten aus Afghanistan und dem Irak abzuziehen und sich nicht mehr an „militärischen Operationen gegen Muslime“ zu beteiligen. Sie hätten drei Monate Zeit, um dieses Angebot zu akzeptieren. Mehrere europäische Staaten und auch die Bundesregierung hatten daraufhin erklärt, sie lehnten Verhandlungen mit Bin Laden ab.

Die spanische Polizei nahm knapp vier Monate nach den Madrid- Anschlägen unterdessen einen weiteren Verdächtigen fest. Der Algerier soll für mehrere der Attentäter Pässe gefälscht haben, teilten die Behörden in Madrid mit. Seit dem Blutbad sind fast 50 Verdächtige festgenommen worden, gegen 14 von ihnen wurden Haftbefehle erlassen.

Auch in den USA hält die Terrorfurcht an. Die US-Bundespolizei FBI rief wegen anhaltender Geheimdiensterkenntnisse über mögliche Anschläge im Sommer zu erhöhter Wachsamkeit auf. Im Hinblick auf den Unabhängigkeitstag am 4. Juli wies sie 18 000 Polizeiwachen zu verstärkten Patrouillen an. Spezifische Informationen lägen aber nicht vor. Die US-Geheimdienste hören auf verschiedenen Wegen Kommunikation zwischen mutmaßlichen El-Kaida-Terroristen ab. Dabei gibt es nach Angaben aus Polizeikreisen immer wieder Hinweise auf geplante Attacken im Vorfeld der Präsidentenwahl am 2. November. Als mögliche Ziele gelten auch die Parteitage der Demokraten Ende Juli in Boston und der Republikaner einen Monat später in New York.

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