Ende für den Staatsrundfunk
Griechenland schaut in die Röhre

Kein Bild, kein Ton: Griechenland hat den staatlichen Rundfunk ausgeschaltet. Um zu sparen, verzichtet zum ersten Mal eine Regierung auf staatliche Medien. Die deutschen Gebührenzahler beobachten das Experiment gespannt.
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AthenSchwarz. Nichts. Kein Ton, außer dem Summen des Fernsehgeräts. Kein Testbild. Keine Endlosschleife. Einfach Schwarz. Der griechische Staatsfunk Elliniki Radiotiliorasi (ERT) hat abgeschaltet. Das ist so, als wenn in Deutschland ARD und ZDF und alle ihre Schwester, Bruder und Enkelkanäle nicht mehr senden würde. Zugegeben: Hierzulande würden einige notorische Gebührenverweigerer jubeln. Der Gesamteindruck wäre aber: Ein Land schaut in die Röhre.

Genau das passiert in Griechenland. Seit Dienstag um Mitternacht existieren die öffentlich rechtlichen Sender nicht mehr. Griechenland spart und es spart sich nun auch die staatliche Versorgung mit Mediendienstleistungen.

Dem plötzlichen Tod vorausgegangen war ein kurzes Aufblühen und ein langes Siechtum. In Griechenland dauerte die öffentlich-rechtliche Medienära 75 Jahre. 1938 war das erste staatliche Radioprogramm ausgestrahlt worden. Der Staatsfunk diente dazu, das autoritäre Regime des ehemaligen Königs Ionnis Metaxas zu festigen, der sich zwei Jahre zuvor zum Regierungschef hatte wählen lassen. Damals galt der Rundfunk als Machtinstrument.

Deutschland und sein Propagandaminister hatten vorgemacht, welche Rolle moderne, staatlich gelenkte Medien spielen konnten. Was damals missbraucht wurde, wird heute noch immer gebraucht: Regierungen in aller Welt besetzen Schlüsselposten in staatlichen Medien mit Kandidaten, die ihnen genehm sind. Das gilt für die Mediaset-Gruppe des ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Berlusconi letztlich genauso wie für ARD und ZDF.

Um so auffälliger ist nun die vom konservativen Ministerpräsidenten Antonis Samaras angeordnete Kehrtwende in dieser Jahrzehnte alten Tradition. Seine Anordnung den staatlichen Rundfunks in Griechenland zu schließen, sorgte prompt für politische Turbulenzen: Seine linken Koalitionspartner melden Widerspruch an.

Nach Gewerkschaftsangaben verlieren 2656 Journalisten, Techniker und Verwaltungsangestellte ihre Jobs. Sie erhalten eine Abfindung. Die Redakteure haben aber kaum Hoffnung auf neue Jobs in ihrem Beruf, denn mehrere tausend griechische Journalisten sind wegen der Krise bereits arbeitslos. Die Opposition vermutet, dass die Rundfunkanstalt auf Druck der Troika geschlossen wurde – Griechenland muss im Rahmen des Sparprogramms bis Ende des Jahres rund 5000 Staatsbedienstete entlassen, 2000 davon noch im Juni.

Kommentare zu " Ende für den Staatsrundfunk: Griechenland schaut in die Röhre"

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  • Ist schön zu sehen wie alles langsam aber sicher in der EU kaputt geht. Das kommt sicher früher oder später auch noch in Deutschland. Alle gesellschaftlichen Werte werden abgebaut um Banken und deren Führung zu retten. Auf kosten der Arbeiter ja und ab und an verlieren auch ein paar ihren Shop der als krisenfest galt. Finde es einfach köstlich zu sehen das es auch mal diese trifft. Es zeigt auch, nichts ist sicher vor diesem EU Albtraum.

  • Da kann ich auch nur zustimmen.
    Schön geschrieben.

  • Du bist selbst schuld, wenn du die 400 Euro zahlst. Ich bin Totalverweigerer für Rundfunksteuern - und das bisher mit Erfolg. Nur wenn alle die Zahlungen konsequent einstellen, wird das System zu zerstören sein. Vor mir bekommen die Geld nur über meine Leiche. Lieber lasse ich mich von der Polizei erschießen, als das ich Geld für den Rundfunk zahle, das zum Teil in die Taschen von Fußballspielern fließt!

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