Ende von Merkels Sonderrolle
Bush frohlockt über Sarkozy

Die French-Fries- und Wein-Boykotte sind längst vergessen. Nach der Eiszeit wegen des Irak-Kriegs sind "altes Europa" und Amerika wieder deutlich besser aufeinander zu sprechen. Nach den Charmeattacken für Kanzlerin Merkel ist nun offenbar der neue französische Präsident Nicolas Sarkozy an der Reihe. So kam es zu einem vielsagenden Auftritt von Kollege Bush während Sarkozys Urlaub im US-Bundesstaat Maine.

WASHINGTON. Wenn sich US-Präsident George W. Bush wirklich wohlfühlt, macht er seine gefürchteten Witze sogar über sich selbst. Er könne kein Wort Französisch, „ich kann kaum richtig Englisch sprechen“, sagte er lachend kurz vor dem Eintreffen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy in der Sommerresidenz der Bush-Familie in Kennebunkport (US-Bundesstaat Maine).

Der innenpolitisch gebeutelte Bush hatte in der Tat Grund zur guten Laune. Umgeben von seiner großen Familie konnte er bei strahlend-blauem Ferienhimmel einen neuen, wichtigen Freund zum „typisch amerikanischen“ Picknick mit deftigen Hamburgern, roten Bohnen und Hot Dogs begrüßen.

Bush war sich bewusst, welch hohen politischen Symbolwert Sarkozys Ausflug zum Familiensitz des reichen Bush-Clans hat. Schon allein die Tatsache, dass der französische Präsident seinen Urlaub in den USA verbringt, brachte den Sprecher des Weißen Hauses, Tony Snow, dazu, von einer „neuen Ära der Beziehungen“ zu sprechen. Bush und Sarkozy ließen denn auch kaum etwas aus, um bei dem informellen Treffen die neue Freundschaft zu demonstrieren. Jovial und kumpelhaft, wie es oft seine Art ist, legte der Texaner vor den Fotografen seinen Arm um den Gast aus Paris. Wortreich lobte Bush seinen Besucher als ehrenwerten Mann, auf „dessen Wort Verlass ist“.

Sarkozy machte zwar aus seiner Skepsis über die Irak-Politik Bushs keinen Hehl. Aber er betonte vor allem die enge Verbundenheit mit den USA, seine Bewunderung für Amerika, das der Welt Verfassung und Freiheit gebracht habe. Frankreich und die USA seien „eine Familie“. Kein Wunder, dass 900 000 Franzosen jährlich dieses „großartige Land“ besuchten. Für Washington sind das völlig neue Töne aus Paris - von Sarkozys Amts-Vorgänger Jacques Chirac war man sehr viel Raueres gewohnt.

Ende der Sonderrolle von Angela Merkel

Alles sollte im malerischen Kennebunkport die Abwesenheit diplomatischen Protokolls unterstreichen. Präsident Bush und sein Vater, Ex-Präsident George Bush, düsten mit ihrem französischen Gast auf dem schnittigen Familien-Motorboot „Fidelity III“ durch die atlantischen Fluten. Der US-Präsident in kurzärmeligem Hemd und Sarkozy in Bluejeans bei gemeinsamen Urlaubsvergnügen, lautete die Botschaft der Bilder. Dahinter verbirgt sich durchaus politisches Gewicht - auch mit Auswirkungen auf das transatlantische Verhältnis.

Denn der Besuch Sarkozys signalisiert nach Einschätzung europäischer Diplomaten auch ein Ende der starken Sonderrolle von Kanzlerin Angela Merkel. Bis Juni war sie für ein Jahr zweifellos die wichtigste Ansprechpartnerin der US-Regierung in Europa gewesen. Der britische Premier und enge Bush-Freund Tony Blair ebenso wie der scharfe Bush-Kritiker Chirac standen vor dem Amtsende. Verstärkt wurde die Position Merkels durch die deutsche EU-Präsidentschaft und die Gastgeberrolle beim G8-Gipfel. Sarkozys Sommerausflug belegt aus US-Sicht auch, dass es neue Freunde im alten Europa gibt.

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