Endesa arbeitet an Abwehrstrategie für den Übernahmeversuch von Gas Natural
EU-Kommission kritisiert Fusionswelle in der Energiebranche

Die neue Fusionswelle im Energiesektor stößt auf Bedenken der EU-Kommission. „Ich sehe das steigende Konzentrationsniveau auf den Energiemärkten mit Sorge“, sagte der für Energiepolitik zuständige EU-Kommissar Andris Piebalgs dem Handelsblatt. Die Kommission werde die weitere Marktentwicklung „sehr kritisch beobachten“.

sce/juf BRÜSSEL. Anlass für den Warnruf ist vor allem die in Spanien geplante Übernahme des größten Stromkonzerns Endesa durch den führenden Gasversorger Gas Natural. „Sollte die Fusion zustande kommen, wird die Kommission große Vorbehalte haben“, hieß es gestern in Brüsseler Wettbewerbskreisen.

EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hatte im Dezember 2004 eine ähnliche Fusion auf der iberischen Halbinsel untersagt. Damals wollte der führende portugiesische Strom-Konzern EDP zusammen mit dem italienischen Energieanbieter Eni den größten Gasversorger Portugals, GDP, schlucken. Kroes verbot das Vorhaben, weil sie ein Oligopol fürchtete. „Beide Fälle sind ähnlich gelagert“, sagte ein auf Fusions- und Kartellrecht spezialisierter Brüsseler Anwalt.

Allerdings ist noch offen, ob die Brüsseler Wettbewerbsbehörde für einen Zusammenschluss von Endesa und Gas Natural zuständig wäre. Weil beide Unternehmen mehr als zwei Drittel ihres Umsatzes im Inland erwirtschaften, wird der Fall möglicherweise nur von der nationalen Kartellbehörde geprüft. Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero hat bereits signalisiert, dass er die Fusion positiv beurteilt. In Brüssel wird daher nicht ausgeschlossen, dass es um den milliardenschweren Deal zu einem politischen Konflikt zwischen Madrid und der EU kommt.

Als problematisch beurteilen Wettbewerbsexperten auch die geplante Übernahme von Scottish Power durch Eon. Diese Fusion würde, sollte sie zustande kommen, so gut wie sicher von Brüssel geprüft. Wie es aus Anwaltskreisen heißt, könne vor allem das Marktsegment Strom-Vertrieb in Großbritannien zu Einwänden der Kommission führen. Denn Eon vergrößere seinen Marktanteil von 20 auf mehr als 30 Prozent.

Die Kommission hatte im Frühjahr eine breit angelegte Untersuchung der europäischen Energiemärkte eingeleitet. Mit Sorge sieht die Brüsseler Behörde, dass die Liberalisierung des Sektors in vielen Mitgliedsländern bislang nicht zu der erhofften Preissenkung bei Strom und Gas geführt hat.

In Spanien stößt Gas Natural mit dem feindlichen Gebot für Endesa auf heftige Gegenwehr. Endesa ist zur Abwehr des Übernahmeversuchs offen für Partner, wie der Versorger gestern mitteilte. Bisher sei aber noch kein Unternehmen an Endesa herangetreten. Parallel will der Stromkonzern kartellrechtliche Schritte prüfen, um die Übernahme, die ein Volumen von 22,6 Mrd. Euro hat, zu blockieren. Bei seiner Abwehrstrategie lässt sich Endesa inzwischen von Lehman Brothers, Citigroup, Deutsche Bank und JP Morgan beraten.

Kritik übte auch der spanische Konkurrent Union Fenosa. Man sei besorgt über die „horizontale, vertikale und geografische Konzentration“, die die Fusion mit sich bringen könnte, hieß es.

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