Energie
Großbritannien baut Energiesystem radikal um

Die britische Regierung hat sich in der Energiepolitik festgelegt: Sie setzt auf Windenergie plus Atomkraft. Auch die Kohle soll weiter eine wichtige Rolle spielen. Bereits 2020 soll 30 Prozent des britischen Stroms aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Kritiker fürchten, dass Großbritannien auf einen Engpass bei der Stromversorgung zusteuert.

DÜSSELDORF. Während Deutschland im Wahlkampf über den richtigen Energiemix streitet, hat sich die britische Regierung eindeutig festgelegt: Sie setzt auf Windenergie plus Atomkraft, um die drohende Stromversorgungslücke abzuwenden. Da auch die Kohle langfristig noch eine Rolle spielen soll, will London außerdem die Weiterentwicklung der Technologie zur Abscheidung und Lagerung von Kohlendioxid (Carbon Capture and Storage, CCS) beschleunigen. Mit dieser Strategie wollen die Briten eine weltweite Führungsrolle beim Klimaschutz übernehmen, wie der Staatsminister im Energieministerium, Lord Philip Hunt, im Gespräch mit dem Handelsblatt ankündigte.

"Großbritannien mag später als andere Länder in die kohlenstoffarme Wirtschaft gestartet sein", gestand Hunt ein. "Aber wir haben in den vergangenen paar Jahren aufgeholt und sind nun international eine führende Kraft." Lange habe sein Land sich allzu sehr auf seine enormen Gasvorräte in der Nordsee verlassen, gab Hunt selbstkritisch zu. Doch nun habe die Regierung eine marktbasierte Strategie formuliert, die die notwendige Erneuerung des Kraftwerksparks mit einem großen Sprung in eine klimaschonende Stromproduktion verbinde.

30 Prozent des britischen Stroms sollen schon 2020 aus erneuerbaren Energiequellen stammen. Im vergangenen Jahr waren es erst gut fünf Prozent. Zwei Drittel davon wollen die Briten schaffen, indem sie neue Windparks aus dem Boden stampfen. Zu den bestehenden Offshore-Windanlagen mit einer Leistung von acht Gigawatt sollen 25 Gigawatt hinzukommen. Damit wäre Großbritannien weltweit führend. "Es wäre doch Wahnsinn, wenn wir nicht die Tatsache ausnutzten, dass wir eine lange Küstenlinie und jede Menge Wind haben", sagte Hunt. Das Ziel ist jedoch ehrgeizig angesichts der Tatsache, dass die Industrie gerade erst begonnen hat, Erfahrungen mit Windparks auf See zu sammeln.

Das zweite Standbein für eine CO2-arme Stromproduktion soll eine neue Generation von Atomkraftwerken werden. Die Labour-Regierung ist sich mit der konservativen Opposition einig, dass es ohne nicht geht. Die ersten neuen Kernkraftwerke sollen Ende 2017 oder Anfang 2018 ans Netz gehen. Die Regierung verspricht, mit einem beschleunigten Planungsverfahren dafür zu sorgen, dass rechtzeitig Neubauten genehmigt werden.

Zukunftsmusik sind bisher jedoch emissionsarme Kohlekraftwerke. Gerade hat die Regierung ein Konsultationsverfahren über den Bau von Werken mit der sogenannten CCS-Technologie beendet, bei denen das Kohlendioxid aufgefangen und unter die Erde gepumpt wird, zum Beispiel in ausgebeutete Gasfelder unter der Nordsee.

Seite 1:

Großbritannien baut Energiesystem radikal um

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%