Energie-Streit
Oettinger gegen Förderung von Atomenergie

EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat sich gegen Subventionen für die Atomenergie ausgesprochen. Aber auch die Länder, die diesen Vorstoß einem Medienbericht zufolge planten, distanzieren sich.
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BrüsselEU-Energiekommissar Günther Oettinger hat sich gegen Subventionen für die Atomenergie ausgesprochen. Einer solchen Idee stehe er „zurückhaltend gegenüber“, erklärte Oettinger am Freitag in Brüssel. Der Kommissar reagierte damit auf einen Zeitungsbericht, nach dem mehrere EU-Staaten auf einen Ausbau der Atomkraft drängten und diese subventionsfähig machen wollten.

Ziel sei es, dass die EU-Länder die erneuerbaren Energien „marktfähig machen und die öffentliche Förderung schrittweise reduziert wird“, teilte Oettinger mit. „Einer Förderung anderer Energiequellen, auch Atomkraft, stehe ich zurückhaltend gegenüber.“ Der Kommissar fügte hinzu: „Uns liegt kein Brief oder ein Antrag eines Mitgliedslandes vor, das Atomkraft subventionieren will.“

Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte am Freitag berichtet, Großbritannien, Frankreich, Polen und Tschechien wollten die Atomenergie wie Windkraft oder Sonnenstrom als emissionsarme Technologie einstufen und somit ähnlich wie die erneuerbaren Energien subventionsfähig machen. Wenn sich die Länder durchsetzten, könne mittelfristig etwa der Bau von Atomkraftwerken und der Verkauf von Atomstrom gefördert werden. Die „SZ“ berief sich auf Briefe der vier Länder, die der Vorbereitung eines Ministerrats zu den Themen Energie und Umwelt in der kommenden Woche dienten.

Die französische Regierung dementierte, dass sich Frankreich für die Förderung des Ausbaus von Atomkraft mit EU-Mitteln einsetze. „Es gibt keinen französischen Vorstoß in diesem Sinne“, sagte ein Sprecher des Industrieministeriums der Nachrichtenagentur AFP. Anders als die Bundesregierung, die im vergangenen Jahr den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen hatte, hält Frankreich an der Nuklearenergie fest, setzt sich aber lediglich dafür ein, dass der emissionsarme Atomstrom auch künftig Teil des EU-Energiemixes ist.

Das polnische Wirtschaftsministerium erklärte zu dem Zeitungsbericht auf Nachfrage, es sei nicht „auf dem Laufenden über eine solche Initiative“. Ein Sprecher des tschechischen Industrieministeriums bezeichnete die Darstellung des Berichts als „sehr vereinfachend“. EU-Diplomaten in Brüssel sagten, dass auch Großbritannien die Förderung der Atomenergie ablehne.

Die Idee einer EU-Förderung für Atomkraft rief in Deutschlan heftige Kritik hervor. Ein Jahr nach der Nuklearkatastrophe in Fukushima sei es „Absurdistan in Reinkultur“, Milliardensubventionen für die „Risikotechnologie Atomkraft“ zu fordern, erklärte der Vorsitzende der Naturschutzorganisation BUND, Hubert Weiger.

„Die Forderung nach Subventionen kommt nach 50 Jahren der kommerziellen Nutzung einer Bankrotterklärung gleich“, sagte die Grünen-Europapolitikerin Rebecca Harms. Der FDP-Bundestagsabgeordnete Horst Meierhofer nannte eine Bezuschussung der Atomenergie „absurd“.

Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Energie-Streit: Oettinger gegen Förderung von Atomenergie"

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  • "Ohne EEG wäre der Marktwert von nicht-gespeicherten Strom ohne Netzanbindung unter 1 Cent die kWh."

    Wie hoch ist denn der Marktwert eines Atomkraftwerks ohne Netzanbindung? Die Bau- plus späteren Rückbaukosten eines EPR liegen mittlerweile bei ca. 5,5 Mrd. Euro/ GW. Die Kosten einer Windkraftanlage (inkl. Rückbau) liegen bei ca. 1,4 Mio. Euro/ MW. Mit anderen Worten, der EPR müßte ungefähr viermal höhere Volllaststundenzahlen haben (im Vergleich mit einer Windkraftanlage), um bei den Investitionskosten wenigstens gleichziehen zu können?! Und dafür hat man dann auch noch den Atommüll an der Backe?! Nee, Atomkraft ist nicht nur die teuerste, sondern gar keine Lösung!

  • OK dann bauen wir Kohlekraftwerke, denn nur diese sind billiger. Eneuerbare kann man kostenmässig vergessen, weil man die Kosten für Speicherung und Netzausbau dazurechen muss. Ohne EEG wäre der Marktwert von nicht-gespeicherten Strom ohne Netzanbindung unter 1 Cent die kWh.
    Gaskraftwerke sind auf lange Sicht teurer, wegen den Kosten für das Erdgas. Japan hat genau deshalb jetzt ein Aussenhandelsdefizit, weil man auf einmal riesige Mengen Gas per Tanker importieren muss, um die bösen abgeschalteten AKW zu ersetzrn.

    Atomkraft ist etwas für diejenigen, die etwas gegen die Emissionen von Kohlekraft, und etwas gegen die Abhängigkeit und hohen Preise von Erdgas haben. Atomkraft ist etwas für echte Umweltschützer und echte Strategen. Wenn es rein darum geht, wer billiger ist, gewinnt Kohle. So und jetzt will ich die Grünen sehen, die da dafür sind!

  • "Günstige Energiequelle"

    Die genannten 4,5 Mrd. Euro für ein 1600 MW Atomkraftwerk sind sprichwörtlich von vorgestern! Die Kosten des EPR in Finnland liegen mittlerweile bei geschätzten 6,6 Mrd. Euro. Die geplanten Westinghouse 1100 MW Atomkraftwerke in den USA sollen sogar 7 Mrd. US-Dollar kosten!

    Ohne Subventionen haben sich noch nie Atomkraftwerke gerechnet, und dass wird sich in der Zukunft auch nicht ändern, wie man sieht! Mehr ist dazu eigentlich nichts zu sagen!

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