Energieabhängigkeit von Russland
Westen will Polen mit Gas versorgen

Polen erhält von deutscher Seite ein neues Angebot, seine Abhängigkeit von russischen Gasimporten zu mindern. Nach Informationen des Handelsblatts wird die BASF-Tochter Wintershall morgen in Warschau vorschlagen, Polen von Westen aus mit Gas zu versorgen.

BERLIN. Möglich würde dies durch Abzweigungen von der geplanten neuen Nord-Süd-Pipeline „Opal“, die auf 480 Kilometer Länge parallel zur polnischen Grenze verläuft. „Dadurch ergäbe sich die Möglichkeit, Polen gleich an mehreren Stellen an das westeuropäische Ferngasnetz anzuschließen“, sagte Ingo Neubert, Geschäftsführer der Wintershall-Tochter Wingas Transport, dem Handelsblatt.

Der Vorschlag ist politisch bedeutsam, weil Polen bereits mehrfach Angebote deutscher Firmen ausgeschlagen hat, die von Warschau viel kritisierte Energieabhängigkeit von Russland durch eine Versorgung von Westen her zu beenden. Stattdessen bekämpft die polnische Regierung weiter die geplante Ostsee-Gaspipeline, die Europa mit zusätzlichem russischem Gas versorgen soll. Bereits im Februar hatte sich der Chef des ostdeutschen Energie- und Gasversorgers VNG beklagt, dass Polen auf keines der Angebote für alternative Gasversorgungen eingegangen war (Handelsblatt vom 15. Februar). Die VNG bestätigte gestern, dass sich daran seit Februar nichts geändert hat.

Das neue Wintershall-Angebot geht nun noch einen Schritt weiter und bietet Polen auch den Bezug etwa von Nordseegas an. Denn das bisherige Hauptargument der polnischen Seite gegen die deutschen Vorschläge bestand darin, dass auch bei einer Pipeline-Anbindung etwa in Greifswald oder einer Gasstrom-Umkehr der bisherigen „Jamal“-Pipeline immer noch russisches Gas geliefert werde. „Künftig könnte Polen aber etwa auch in Großbritannien oder den Niederlanden gekauftes Gas nach Osten leiten“, sagte Neubert. Polen müsse bei dem Anschluss an das europäische Ferngasnetz nicht einmal Lieferverträge mit Wingas abschließen. Damit reagiert Neubert auf mögliche Vorbehalte in Warschau gegen sein Unternehmen, weil der russische Gasriese Gazprom mit 49 Prozent an der Wintershall-Gasvertriebstochter beteiligt ist.

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