Energieabkommen
Russland und China bauen Wirtschaftsbeziehungen aus

Die EU könnte ihre Führungsrolle in den Handelsbeziehungen mit Russland verlieren. Die Moskauer Führung will sich künftig stärker im asiatischen Raum engagieren und die Wirtschaftsbeziehung mit Indien und China ausbauen. Besonders im Energiesektor wollen die Staaten enger kooperieren.

PEKING/MOSKAU. Russland, unter Druck durch fallende Rohstoffpreise und Liquiditätsengpässe, will in der Krise die Beziehungen zu Indien und China ausbauen. Anlässlich eines Besuchs in Moskau unterzeichnete der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao gestern eine Vereinbarung zur Kooperation im Energiebereich. China und Russland besiegelten auch den Bau eines Abzweigs von der Eastern Sibiria Pacific Ocean Pipeline (Espo) zur chinesischen Grenze. Bisher läuft der Öltransport dort noch über die Schiene.

Bis Ende November wollen beide Seiten auch ein Abkommen unter Dach und Fach haben, das russische Erdöllieferungen gegen chinesische Kredite vor allem für den staatlich kontrollierten Energiekonzern Rosneft vorsieht. In Medienberichten war bereits von einem Darlehen von bis zu 25 Mrd. Dollar die Rede, das auch dem Pipeline-Konzern Transneft zugute kommen soll. „Wir haben eine grundsätzliche Übereinkunft erreicht“, sagte der Sprecher von Russlands Regierungschef Wladimir Putin, Dmitrij Peskow, dem Handelsblatt. Es gehe nun noch um die Details. Einen ähnlichen Vertrag hatten Russland und China vor vier Jahren unterzeichnet – das Abkommen läuft noch bis 2010.

Im kommenden Monat wird auch der indische Ölminister Murli Deora in Moskau erwartet. Indien, in Asien der drittgrößte Erdölverbraucher, will sich in Russland den Zugang zu Ressourcen sichern. Kürzlich war der staatliche indische Ölkonzern ONGC beim russischen Ölförderer Imperial Energy eingestiegen. Die russische Regierung hatte das Unternehmen als „nicht strategisch“ eingestuft und so die wichtigste Weiche für die Übernahme gestellt.

Der hochrangige chinesische Besuch beflügelte in der russischen Presse die Spekulationen über einen grundsätzlichen Kurswechsel in der Außenwirtschaftspolitik. Demnach berät die Regierung derzeit über ein Strategiepapier bis 2020, das die Orientierung auf China und Indien vorsieht und die Rolle des derzeit wichtigsten Handelspartners, der EU, abwertet. Es gehe darum, die Führungsposition Russlands im eurasischen Raum zu stärken, zitiert die Zeitung „Nesawissimaja Gasjeta“ einen hochrangigen Beamten aus dem Wirtschaftministerium. „China und Indien sind Schlüsselmärkte, die sich viel dynamischer entwickeln als die EU“, so der Beamte.

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