Energielieferant: Kreml-Image ist angekratzt

Energielieferant
Kreml-Image ist angekratzt

Die kalten Grüße aus dem Osten haben arg am Image des "zuverlässigen Energielieferanten" Russland gekratzt. Der Kreml und der russische Gaskonzern Gazprom reagieren gereizt - ihre Befürchtung, Europa könne bei seiner Energieversorgung verstärkt auf Alternativen zu Russland und der Ukraine setzen, ist nicht unbegründet.

MOSKAU. Daran konnte auch die beispiellose Medienkampagne nichts ändern, mit der der Kreml und der staatliche Gaskonzern Gazprom versucht haben, die europäische Öffentlichkeit auf den bevorstehenden Konflikt und drohende Lieferkürzungen vorzubereiten.

"Russland wie die Ukraine wollten den Konflikt politisieren", sagt Alexander Rahr von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP). "Und das ging daneben." Als zumindest in der Außenwirkung verheerender Schachzug darf der im Fernsehen übertragene Auftritt von Ministerpräsident Wladimir Putin gelten: In einer für die russische Politikdarstellung typischen Inszenierung wies dieser Gazprom-Chef Alexej Miller an, die Gaslieferungen durch die Ukraine ganz einzustellen, weil das Land angeblich für Westeuropa bestimmten Lieferungen illegal abzweigte.

Die russische Seite habe der Ukraine damit einen richtigen Denkzettel verpassen wollen, sagt Rahr. Aber auch die Regierung in Kiew habe es auf eine Konfrontation angelegt, in der Hoffnung, Russland als unzuverlässigen Lieferanten zu brandmarken. Diese Rechnung sei allerdings ebenfalls nicht so einfach aufgegangen, sagt Rahr.

Auch bei dem diplomatischen Hickhack um die Beobachtermission der Europäischen Union für den Gastransit sahen beide Seiten nicht gut aus: Während Europa friert, streiten die Verantwortlichen für das Debakel tagelang um Details und Paragrafen - obwohl nach diversen Telefonaten zwischen Moskau, Brüssel, Berlin und Kiew die wichtigsten Punkte schon längst geklärt waren.

Doch auf der russischen Seite ist der Druck inzwischen enorm gestiegen. Abzulesen ist dies an den angespannten Auftritten von Regierungschef Putin, der gleich zwei Mal in wenigen Tagen die internationale Presse in seine Residenz Nowo Ogarjowo vor den Toren Moskaus lud, um die russische Position zu erläutern. Der Ministerpräsident mühte sich dabei stets, die alleinige Schuld an der Misere der Ukraine zuzuschieben und ihre "Blockade" zu geißeln.

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