Energiemarkt im Umbruch
Privatisierung in der Türkei gewinnt an Fahrt

Nicht nur einheimische, sondern auch ausländische Firmen interessieren sich für die Privatisierung der türkischen Elektrizitätsnetze. Denn der türkische Energiemarkt lockt mit großem Wachstumspotenzial.

ANKARA. Die Privatisierungen in der Türkei laufen immer besser. Im ersten Halbjahr 2006 nahm die Privatisierungsbehörde ÖIB bereits fast so viel ein wie im gesamten Vorjahr. Jetzt soll der Verkauf regionaler Elektrizitäts-Verteilungsnetze dem Privatisierungsprogramm weiteren Schub geben. Als Metin Kilci 2003 die Führung der ÖIB, einer Art türkischer Treuhand, übernahm, begegneten ihm die Investoren mit Skepsis und Misstrauen. Das schon Mitte der 80er-Jahre unter dem damaligen Premier Turgut Özal gestartete Privatisierungsprogramm wollte nicht in Gang kommen. So scheiterten in einem Jahrzehnt nicht weniger als sieben Versuche, die staatseigene Türk Telekom zu privatisieren.

Inzwischen hat Kilci das Misstrauen zerstreut. Das Privatisierungsprogramm läuft und gewinnt immer mehr an Fahrt. 2005 kassierte die ÖIB Privatisierungserlöse von 8,1 Mrd. Dollar. Größter Erfolg war der Verkauf von Türk Telekom für 6,55 Mrd. Dollar an die Saudi Oger Ltd. Der Kaufpreis wird in mehreren Raten fällig. Nach Privatisierungserlösen von 8,1 Mrd. Dollar im vergangenen Jahr, kamen in den ersten sechs Monaten 2006 bereits weitere 7,8 Mrd. in die Kasse. Größte Posten waren der Verkauf des Raffinerieunternehmens Tüpras für 4,14 Mrd. und des Stahlkonzerns Erdemir für 2,77 Mrd. Dollar.

Für die zweite Jahreshälfte steht die Privatisierung von sechs der insgesamt 20 regionalen Strom-Verteilungsnetze an. Die restlichen vierzehn Netze sollen 2007 verkauft werden. Einzelheiten zu den Ausschreibungen und zum genauen Zeitplan will ÖIB-Chef Kilic diese Woche bekannt geben. Kilic rechnet mit reger Nachfrage: „Vor drei Jahren war niemand an unseren Verkäufen interessiert, aber jetzt erleben wir ein Wunder“, freut sich der Treuhand-Chef. Mit welchen Erlösen er für die Netze rechnet, will Kilic nicht sagen: „Das muss der Markt entscheiden“.

Als Filetstück gilt das Stromnetz im europäischen Teil der Wirtschaftsmetropole Istanbul mit 3,5 Mill. Verbrauchern. Der staatliche Netzbetreiber erlöste hier im vergangenen Jahr umgerechnet 1,7 Mrd. Euro. Allein dieses Netz könnte nach Analystenschätzungen fünf Mrd. Dollar wert sein. Die weiteren fünf in diesem Jahr zum Verkauf anstehenden Netze – darunter der asiatische Teil Istanbuls und die Region um die Hauptstadt Ankara – werden auf rund zehn Mrd. Dollar taxiert.

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