Energiepolitik
Berlin sucht weitere Quellen für Gasimport

Bundesregierung und deutsche Energiekonzerne verstärken spürbar ihre Versuche, die wachsende Abhängigkeit Europas von russischem Gas und Öl zu begrenzen. So wird derzeit massiv um Regierungen möglicher anderer Lieferländer geworben.

BERLIN. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) besucht nach Zentralasien nun ab Dienstag die ressourcenreichen Maghreb-Staaten und traf zudem mit dem norwegischen Außenminister Gahr Store zusammen. Die EU hat in den vergangenen Tagen Energieabkommen mit Kasachstan und Aserbaidschan geschlossen. Und deutsche Energieversorger wie Eon Ruhrgas haben nach eigenen Angaben wichtige strategische Entscheidungen getroffen, um die Diversifizierung ihrer Gas- und Ölbezüge voranzutreiben. „Wir haben erhebliche Fortschritte gemacht“, sagte ein Regierungsmitglied dem Handelsblatt.

Seit Monaten wird sowohl in Deutschland als auch in der EU diskutiert, wie man eine zu große Abhängigkeit von russischen Ressourcen vermeiden kann, die zunehmend als politisches Risiko angesehen wird. Bereits heute kommen mehr als 40 Prozent der deutschen Gas-Importe aus Russland, Tendenz steigend.

„Das Problem wird dadurch vergrößert, dass die niederländischen Gaslieferungen bis 2012 und ein wachsender Teil der Atomkraftwerke ersetzt werden müssen“, sagt Enno Harks, Energieexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Die Internationale Energieagentur (IEA) geht zudem von einem wachsenden Bedarf in Europa aus: So ist eine Erhöhung der EU-Gasimporte von 200 Mrd. Kubikmeter auf 500 Mrd. Kubikmeter im Jahr 2030 prognostiziert.

Bundesregierung und die im Russlandgeschäft tätigen Firmen betonen zwar, dass Moskau ein verlässlicher Lieferant ist und deshalb etwa durch die Ostsee-Pipeline zusätzliche Lieferungen vereinbart seien. „Wir müssen aber möglichst viele Länder als Energielieferanten gewinnen, um uns auf Dauer nicht von einigen wenigen Regionen abhängig zu machen“, sagte Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) dem Handelsblatt. „Das Thema Energiekooperation steht bei meinen Reisen ganz oben auf der Tagesordnung.“ Verstärkt gesucht wird vor allem in drei Gebieten: Norwegen, Nordafrika und Zentralasien.

Norwegen als westliche Demokratie gilt dabei als bevorzugter Partner. Hoffnung macht sich die Bundesregierung deshalb darauf, dass neue Vorkommen in der bisher noch schwer zugänglichen Barentssee künftig einen wesentlich größeren Teil der europäischen Versorgung abdecken könnten. Norwegen wäre dazu auch bereit.

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