Energiepolitik
Bush: Wir brauchen mehr Kernkraft

US-Präsident George W. Bush hat sich im Vorfeld des G8-Gipfels und seiner am Mittwoch beginnenden Deutschland-Visite für eine stärkere Nutzung der Atomkraft ausgesprochen. Auch Schwellenländer wie China und Indien sollten auf Kernenergie setzen. Beim Thema Iran sparte Bush nicht mit Lob für Kanzlerin Angela Merkel.

WASHINGTON. US-Präsident George W. Bush setzt sich für einen weltweiten Ausbau der Kernenergie ein. Im Vorfeld des G8-Gipfels in St. Petersburg und seiner am Mittwoch beginnenden Deutschland-Visite sagte Bush im Handelsblatt-Interview: „Wenn einem am Umweltschutz liegt, scheint mir die friedliche Nutzung der Kernkraft ein guter Weg zu sein.“ Bush befürwortete ausdrücklich eine stärkere Nutzung der Kernkraft in Schwellenländern wie etwa China und Indien. „Es ist im Interesse aller, dass diese stark wachsenden Volkswirtschaften ihren Appetit auf fossile Brennstoffe zu Gunsten von Kernkraft zügeln.“

Energiefragen werden das wichtigste Thema beim Treffen der acht wichtigsten Industrienationen (G8) am Wochenende in St. Petersburg sein. Unter dem Eindruck stark gestiegener Öl- und Gaspreise überdenken weltweit viele Regierungen ihre bisher zurückhaltende Atomenergiepolitik. Die britische Regierung machte am gestrigen Dienstag den Weg frei für den Bau neuer Kernkraftwerke. Bei den G8-Staaten stemmt sich bislang nur Deutschland gegen ein klares Plädoyer für den Ausbau der Kernenergie.

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Das Interview mit George W. Bush im Wortlaut

Kernenergie ist für die große Koalition wegen der gegensätzlichen Positionen von SPD und Union ein äußerst heikles Thema. Da sich die Parteien nicht auf eine gemeinsame Linie einigen konnten, wurde im Koalitionsvertrag der noch von Rot-Grün beschlossene Ausstieg aus der Kernenergie festgeschrieben. Versuche der Union, längere Laufzeiten durchzusetzen, scheiterten an der SPD.

Bushs Initiative facht den Streit neu an. „Die Kernenergie ist ein falscher Weg“, sagte Bundesumweltminister Siegmar Gabriel (SPD). „Sie kann allenfalls Gefahren des Kohlendioxids durch Gefahren der Radioaktivität ersetzen.“ Diese Wahl zwischen Pest und Cholera müssten die Industrienationen durch einen effizienteren Umgang mit Energie vermeiden.

Wirtschaftsminister Michael Glos stellt dagegen den Atomausstieg in Frage: „Fast alle anderen erfolgreichen Industrienationen haben verstanden, dass die Kernenergie für die sichere Versorgung und für das Erreichen der Klimaschutzziele unverzichtbar ist. Warum sollte sich Deutschland dieser Erkenntnis auf Dauer verschließen?“ Unterstützung erhält er aus der Wirtschaft. „Der G8-Gipfel in St. Petersburg wird zeigen, wie sehr sich Deutschland in der Frage der Kernenergienutzung isoliert hat“, warnt BDI-Chef Jürgen Thumann.

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