Energieunabhängigkeit
Gasfund vor der Küste Israels

Mit einem riesigen Gasfund in der Nähe der Hafenstadt Haifa könnte Isreal seinen Energiebedarf der nächsten 15 Jahre decken - und unabhängig von ausländischen Gasimporten werden. Die Börse Tel Aviv reagierte euphorisch und die Regierung will den Kohleanteil bei der Stromerzeugung nun stark verringern.

TEL AVIV. Ein Gasfund vor der Hafenstadt Haifa weckt Hoffnungen in Israel, den Energiebedarf des Landes über Jahre aus eigenen Quellen decken zu können. Zudem erhalten Pläne der Regierung neuen Schub, den heimischen Energiemix stärker von der Kohle auf das klimafreundlichere Erdgas zu trimmen.

Mit dem Erdgas, das in rund 5 000 Metern Tiefe 90 Kilometer vor der Küste von Haifa gefunden wurde, könne Israel seinen Energiebedarf in den nächsten 15 Jahren decken, schwärmen Experten. Zudem lasse sich die Abhängigkeit von Gasimporten aus Ägypten und den dem palästinensischen Gazastreifen vorgelagerten Feldern reduzieren. Ersten Schätzungen zufolge soll das Feld rund 88 Mrd. Kubikmeter Gas enthalten. Im Vergleich zu großen Gasfördernationen wie Russland, das über ein Viertel der weltweiten Reserven verfügt, ist das zwar wenig; für das kleine Israel mit seinen rund sieben Millionen Einwohnern ist die Entdeckung jedoch eine Sensation.

Die Wirtschaft des Landes stehe "vor einer Revolution", sagt der Unternehmer Yitzhak Tshuva, dem mehrere der am Explorationsprojekt beteiligten Firmen gehören, darunter die Delek- Gruppe. Tshuva will nicht ausschließen, dass Israel sogar zum Gasexporteur werden könnte.

Allerdings sei die Erschließung des Feldes kompliziert, mahnt ein Analyst zur Vorsicht. Noch sei ungeklärt, ob es sich überhaupt wirtschaftlich ausbeuten lasse. Kosten und Zeitplan seien offen. In drei Wochen sollen die ersten Probebohrungen abgeschlossen sein.

Die Nachricht über das Gasfeld hat in der Tat weitreichende Konsequenzen. Die am Joint Venture beteiligten Unternehmen werden Milliardenbeträge verdienen, und der Staat kann auf Lizenzgebühren und höhere Steuereinnahmen hoffen. Die Energiekosten könnten sich um ein Fünftel verringern, schätzt Tshuva, und die Verbraucher würden mit sauberer Energie beliefert.

Eine Umweltschutzorganisation will sich bereits dafür einsetzen, dass zwei geplante Kohlekraftwerksprojekte gestoppt werden. Derzeit gewinnt Israel seinen Strom vor allem aus Kohle- und Gaskraftwerken. Der Energiemix besteht zu 70 Prozent aus Kohle und zu 30 Prozent aus Gas. Allerdings will die Regierung hier umsteuern: Der Kohleanteil soll mittelfristig zunächst auf 60 Prozent sinken. Bis 2020 soll Gas dann 40 bis 45 Prozent des Energiebedarfs decken, erneuerbare Energie sollen zehn Prozent beisteuern.

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