Energieunion
Deutschland rückt an „elektrische Nachbarn“ heran

Wenn Sonne und Wind keine Energie liefern, können Gaskraftwerke einspringen. Diese jedoch nur für solche Fälle zu betreiben, ist aber unrentabel. 13 Staaten wollen deshalb den Strommarkt über Grenzen hinweg erleichtern.
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BrüsselZwölf EU-Staaten und Norwegen rücken beim Stromhandel enger zusammen. Ein entsprechendes Abkommen will Deutschland mit seinen „elektrischen Nachbarn“ am Randes des EU-Energieministertreffens am Montag unterzeichnen. Das verlautete aus Diplomatenkreisen in Brüssel. Ziel sei es, den Anteil dynamisch wachsender, aber wetterabhängiger Energie aus erneuerbaren Quellen mit Hilfe flexiblerer Großhandelspreise besser in den Strommarkt zu integrieren und so auch in Zeiten von Energieknappheit die Versorgung sicherzustellen. Damit setzt der Regionalverbund künftig vor allem auf die Kräfte des Marktes, anstatt auf staatliche Unterstützung zum Erhalt konventioneller Betriebsanlagen. Im Ergebnis sollen alle Verbraucher preislich mittelfristig besser wegkommen, als wenn Kapazitätsmärkte mit staatlichen Beihilfen geschaffen würden.

Das Thema Kapazitätsmärkte wird in Deutschland hitzig debattiert. Wenn Sonne und Wind keine Energie liefern, können beispielsweise Gaskraftwerke einspringen, weil sie schnell hochgefahren werden können. Es ist aber zunehmend unrentabel, Kraftwerke nur für solche Fälle zu bauen und zu betreiben. Deshalb fordert die Energiebranche staatliche Unterstützung, die Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) jedoch nicht gewähren will.

Frankreich und Großbritannien haben sich bereits für Kapazitätsmärkte entschieden. Den Brüsseler Plänen zur Europäischen Energieunion zufolge soll derlei in Zukunft aber die Ausnahme bleiben. Ein voll funktionsfähiger Energiebinnenmarkt, der effiziente Investmentsignale setze, sei die beste Voraussetzung, um die Notwendigkeit von Kapazitätsmechanismen möglichst gering zu halten. Subventionen will die EU-Kommission den Mitgliedstaaten nur dann erlauben, wenn auch in Nachbarstaaten die notwendigen Kapazitäten nicht verfügbar sind. Die von Deutschland vorangetriebene Initiative für den 13 Staaten umfassenden Regionalverbund trägt wettbewerbsrechtlichen Bedenken Rechnung.

Der im Frühjahr von Kommissionsvize Maros Sefcovic und Energiekommissar Miguel Canete vorgelegte Plan für eine Europäische Energieunion zeichnet die Vision eines europaweiten Systems, in dem Energie lückenlos über Grenzen hinweg fließt, „mit einem Wettbewerb und der bestmöglichen Nutzung der Ressourcen sowie einer effektiven Regulierung auf EU-Ebene, wo dies notwendig ist“. Schwerpunkte sind eine Verbesserung der Sicherheit für Energielieferungen, Netzausbau und eine stärkere Koordination der Mitgliedstaaten sowie günstigere Preise für die Konsumenten. Mittelfristig soll das Projekt dazu beitragen, Europa aus der Energieabhängigkeit von Russland zu lösen.

Thomas Ludwig
Thomas Ludwig
Handelsblatt / EU-Korrespondent

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