Energieversorgung
Sarkozy lässt neuen Atommeiler bauen

Frankreich baut einen neuen Atommeiler. Die Entscheidung, die Staatspräsident Nicolas Sarkozy gestern Abend bekanntgab, löste heftige Proteste von Umweltschützern aus. Sie wollen alle Mittel ausschöpfen, um „diesen absurden Schritt“ zu verhindern.

HB PARIS. Der zweite "Europäische Druckwasserreaktor" in Frankreich soll ab 2012 in Penly in der Normandie entstehen und 2017 ans Netz gehen, erklärte Sarkozy. Den Zuschlag erhielt der staatliche Stromversorger EDF, der Konkurrent GdF Suez soll an dem Projekt beteiligt werden. Der neue Reaktor sei wichtig für die unabhängige und sichere Energieversorgung, erklärten die Konzerne.

Die Europäischen Druckwasserreaktoren sind Reaktoren der dritten Generation und wurden von Siemens und dem französischen Atomkonzern Areva gemeinsam entwickelt. Ein erster Meiler dieses Typs soll nach zahlreichen Verzögerungen 2012 in Finnland den Betrieb aufnehmen. In Flamanville am Ärmelkanal wurde 2007 trotz erheblicher Proteste mit dem Bau des ersten Reaktors in Frankreich begonnen.

Greenpeace sieht im Ausbau der Atomenergie "ein Zeichen gegen erneuerbare Energien und das Stromsparen." Sarkozy zwinge den europäischen Nachbarn die Kernkraft auf, kritisierte Greenpeace-Frankreich-Chef Yannick Rousselet. Denn Frankreich habe den zusätzlichen Atomstrom nicht nötig und werde diesen deswegen exportieren. Dies legte auch Europa-Staatssekretär Bruno Le Maire nahe, der Sarkozys Entscheidung begrüßte: Das Projekt müsse "zum Nutzen Frankreichs und Europas gemeinsam aufgebaut werden". In einer Zeit, wo die EU über ihre Energiezukunft nachdenke, biete sich eine "historische Chance" für die wirtschaftliche Entwicklung in der Normandie.

Das Netzwerk Sortir du nucléaire (Atomausstieg) wirft dem Präsidenten ökologische und wirtschaftliche Fehler vor: Die gleichen Investitionen in erneuerbare Energien würden 15 Mal mehr Arbeitsplätze schaffen. Und der neue Reaktor werde Frankreich daran hindern, seine Verpflichtung im Rahmen des EU-Klimapaktes zu erfüllen, den Anteil erneuerbarer Energien bis 2020 auf 20 Prozent zu erhöhen.

Die Umweltschützer werfen Sarkozy zudem Wortbruch vor. Auf einer nationalen Umweltkonferenz vor anderthalb Jahren hatte der Präsident erklärt, er wolle keine neuen Atomkraftwerke. Der Energiekonzern EDF gab im Dezember Pläne bekannt, in den kommenden zwölf Jahren bis zu 50 Milliarden Euro in neue Atommeiler in Europa, den USA und China zu investieren.

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