Engagierte Wirtschaftsreformer
Japans Reformarchitekt Takenaka tritt zurück

TOKIO. Der Chefarchitekt von Japans jüngsten Wirtschaftsreformen hat genug von der Politik. Wie der derzeitige Innenminister Heizo Takenaka am Freitag ankündigte, wird er am 26. September sein Parlamentsmandat niederlegen. An jenem Tag wird auch Ministerpräsident Junichiro Koizumi sein Büro räumen und nach fünf Jahren und fünf Monaten von der Regierungsspitze zurücktreten.

Seine politische Rolle habe darin bestanden, den scheidenden Premier zu unterstützen, so Takenaka. Diese Aufgabe sei nun beendet. Hoffnungen, dass der engagierte Wirtschaftsreformer auch in Japans künftiger Regierung einen Ministerposten bekleiden wird, haben sich damit nicht erfüllt. Takenaka erklärte, dass er bei der Wahl von Koizumis Nachfolger als Präsident der Liberaldemokraten (LDP) seine Stimme dem klaren Favoriten Shinzo Abe geben werde.

Takenaka kam in der Regierung Koizumis die wirtschaftspolitische Schlüsselrolle zu. Während der Ministerpräsident lediglich die Zielvorgaben festlegte, war es Aufgabe des früheren Wirtschaftsprofessors der angesehenen Keio-Universität, diese Vorgaben in Strategien und Gesetze umzuwandeln. Er tat dies durchaus zur Zufriedenheit des Regierungschefs – und er war der einzige Minister, der von Anfang an Koizumis Kabinett angehörte.

Diese stete Rückendeckung des Premiers war keinesfalls selbstverständlich. So galt Takenaka mit seiner angebotsorientierten Reformagenda – von Kritikern als „Marktfundamentalismus“ verschrien – als der eigentliche Erzfeind strukturkonservativer LDP-Vertreter. Diese störten sich nicht zuletzt daran, dass Koizumi entgegen aller Gepflogenheiten einen Akademiker ohne politische Karriere zu seinem ökonomischen Vordenker erkoren hatte. Gerade diese Distanz zum politischen Betrieb Japans begründete aber wohl eine der größten Stärken des unbefangen agierenden Professors.

In den vergangenen fünfeinhalb Jahren wurde der heute 55-Jährige mit unterschiedlichsten Posten betraut: Staatsminister für Wirtschafts- und Fiskalpolitik, Chef der Finanzaufsichtsbehörde, Minister für die Postprivatisierung und Vorsteher des Innenministeriums. Takenakas größter Erfolg war dabei zweifellos die von ihm orchestrierte Bankenreform.

Gegen den massiven Widerstand aus der LDP und aus Bankenkreisen drängte er die Finanzinstitute ab 2002 zu einem schnellen Abbau ihrer hohen Bestände an faulen Krediten. In den vergangenen paar Jahren war er zudem federführend für die gesetzlichen Vorarbeiten zur Privatisierung der japanischen Post – des weltgrößten Finanzinstituts – zuständig. Dank seines beherzten Einsatzes für einen schlankeren Staat und eine liberalere Wirtschaftspolitik genoss Takenaka nicht zuletzt bei ausländischen Investoren einen großen Vertrauensbonus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%