Engländer könnten EU verlassen
So what?

Geht es nach Großbritanniens Premier David Cameron, sollen die Briten über den Verbleib in der EU abstimmen. Ein Desaster? Die ersten Stimmen werden laut, die sagen: Ohne die Briten liefe es besser.
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LondonGroßbritanniens Premier David Cameron will die Briten noch vor 2018 in einem Referendum über ihren Verbleib in der EU entscheiden lassen - nach Verhandlungen, um die EU für alle Länder „wettbewerbsfähiger, flexibler, offener und demokratischer“ zu machen. Damit gab Cameron den Startschuss für einen Machtkampf, in dem die Verfechter eines immer enger integrierten Kerneuropas gegen diejenigen antreten werden, die an der Peripherie stehen und eine lockerere Beziehung wollen: „Die EU muss mit der Geschwindigkeit und Flexibilität eines Netzwerks handeln können, statt mit der steifen Schwerfälligkeit eines Blocks”, sagte Cameron.

In seiner immer wieder verschobenen, lange diskutierten Rede skizzierte der Premier am frühen Mittwoch morgen eine Europastrategie, mit der er drei Dinge gleichzeitig erreichen will: Den Europastreit in seiner eigenen Partei schlichten, die „hauchdünne“ Zustimmung zur EU in seinem Land demokratisch stärken und gleichzeitig Reformen für die gesamt EU anstoßen.

70 Jahre nach dem Krieg komme Europas Herausforderung nicht mehr von innerhalb des Kontinents, sondern vom globalen Wettbewerb, sagte der Premier einen Tag nach den deutsch-französischen Freundschaftsfeiern in Berlin. Aufgabe der EU sei „nicht den Frieden zu gewinnen, sondern die Prosperität zu sichern“. Dies erfordere tief greifende Reformen. Vorwürfe, ein „Europa à la carte“ nach nationalem Gutdünken werde die EU zerstören, wies Cameron zurück,. Ein flexibleres Europa, in dem Macht auch an die Mitgliedstaaten zurückfließen könne, werde die Mitglieder vielmehr enger zusammenbinden. „Flexible, freiwillige Kooperation ist ein viel stärkerer Leim als Zwang aus dem Zentrum“.

Cameron definierte die EU als eine „Familie demokratischer Nationen, deren wesentliches Fundament der Binnenmarkt, nicht die gemeinsame Währung ist“. Ausdrücklich distanzierte er sich vom Ziel einer „immer engeren Union“ im europäischen Gründungsvertrag. „Dies wurde nicht als Aussage über die Völker, sondern über Staaten und Institutionen interpretiert und vom europäischen Gerichtshof verschärft, der konsequent eine größere Zentralisierung unterstützt hat. Wir verstehen und respektieren das Recht anderer, sich diesem Ziel zu verpflichten. Für Großbritannien – und vielleicht auch andere – ist dies nicht das Ziel.“

Kommentare zu " Engländer könnten EU verlassen : So what?"

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  • Über Art und Weise von Cameron kann man sich empören, aber über die Gründe seines Mißbehagens und dem seiner Landsleute sollte man vielleicht einmal nachdenken. Auch wir wollen doch keinen europäischen Einheitsbrei. Gerade die europäische Vielfalt und kulturelle Unterschiedlichkeit sind ein hohes und erhaltenswertes Gut, daß in den letzten 20-30 Jahren doch zunehmend verloren gegangen ist. Und wenn es kein europa á la carte geben soll, so sollte man doch vielleicht einmal die Speisekarte überarbeiten. Denn manche Gerichte aus der euopäischen Einheitsküche schmecken nicht , auch nicht mir als Deutschem.

  • Wleches Öl? das haben die Schotten und wenn die sich von Großbritannien abwenden und für den Verbleib in der EU stimmen... Übrigens was würde sich denn im Handel mit Großbritannien nach einem Austritt ändern? Nicht viel viel, schaut man in die Schweiz: Die Rahmenbedingungen werden in Brüssel bestimmt, wer nicht mitreden kann muss halt abnicken oder kann nicht am Warenaustausch teilnehmen. Also wo ist das Problem bei einem Austritt aus der EU? Eher der Wegfall des gut strukturierten diplomatischen Dienstes wegen des Commenwealth, aber das bkommt die EU schon hin.


  • Die "Anglo-American Schiene Bush-Blair" wollte nie und nimmer ein starkes Europa.

    EU Erweiterung um jeden Preis ( um jedes Mafialand) und das diesbezüglich zielgerichtete Handeln britischer-und US Diplomaten trug mit zur Schwächung der alten traditionellen EU-Ausrichtung bei. Jetzt habn wir die Neo-Demokratische Mafia und deren Schuldenlast am Hals.

    Seinerzeit ging es ausschliesslich um die geostrategische Zielsetzung USA-Öl in der Kaukasusregion/Vorder-/Hinterasien/Irak bwz um die Kontrolle Europas etc etc....
    Die Texasrider glaubten, Finanzweltherrschaft alleine reiche aus..

    Dummheit zahlt nun . Und Deutsche gelten international halt eher als deppert-unbedarft.

    Briten wiederum glaubten auf der cleveren Seite zu spielen, dennoch, sieht man auf deren angehäuften Folge-Defizite Verschuldung/Gesellschaft etc.... Ebenfalls Trolls.
    Irgendwie alles beruhigend....

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