Englischer Premier fordert neue Finanzarchitektur für das 21. Jahrhundert
Brown nimmt Banken an die Leine

Premierminister Gordon Brown wandelt sich vom glücklosen Konkursverwalter von New Labour zum globalen Vordenker in der schlimmsten Finanzkrise seit Menschengedenken. Das britische Rettungspaket hat sich zum weltweiten Vorbild entwickelt.

LONDON. Finanzkrise und Rezession haben dem britischen Selbstbewusstsein zuletzt arg zugesetzt. Doch jetzt ist das Land wieder dort, wo es nach eigenem Verständnis hingehört - weit vorn. Das britische Rettungspaket für das angeschlagene Bankensystem wurde über das Wochenende zum weltweiten Vorbild. Und Premierminister Gordon Brown wandelte sich vom glücklosen Konkursverwalter von New Labour zum globalen Vordenker in der schlimmsten Finanzkrise seit Menschengedenken.

Gestern legte Brown noch einen drauf: Unmittelbar nach der Pressekonferenz, in der er mit Schatzkanzler Alistair Darling die Details der Teilverstaatlichung dreier Großbanken erläuterte, forderte er in einer Rede in der City eine neue globale Finanzarchitektur für das 21. Jahrhundert.

"Manchmal ist eine Krise nötig, damit die Menschen sich auf das einigen, was schon vor Jahren hätte gemacht werden müssen", sagte er und forderte ein neues Bretton-Woods-Abkommen. Ohne falsche Bescheidenheit stellte sich Brown in der Rede auf eine Stufe mit US-Präsident Franklin D. Roosevelt und Premier Winston Churchill, die im amerikanischen Bretton Woods 1944 den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die Weltbank gründeten.

Brown will seine Vorschläge am Mittwoch in den EU-Gipfel und dann in das nächste G7-Treffen einbringen. "Wir müssen das internationale Finanzsystem nach den Prinzipien der Transparenz, Integrität, Verantwortlichkeit, guten Haushaltsführung und grenzüberschreitenden Kooperation bauen", sagte er.

Ob das britische Rettungspaket aus Rekapitalisierung der Banken, massiven Liquiditätshilfen der Notenbank und einer Garantie des Interbankenhandels die Finanzkrise wirklich beendet, wird sich noch zeigen. Gestern gab Brown bekannt, dass der Staat die Mehrheit an der Royal Bank of Scotland (RBS) und eine starke Minderheit an der aus der verordneten Fusion von Lloyds TSB und HBOS entstandenen neuen Privatkundenbank übernehmen will. Das wird 37 Mrd. Pfund kosten - wenn sich nicht doch noch private Kapitalgeber finden.

Die Kapitalspritzen haben nicht nur für den Staatshaushalt ihren Preis: Die Vorstandschefs und Chairmen von RBS und HBOS müssen gehen. RBS muss von einer weiteren Expansion ins Investment-Banking Abschied nehmen und sich aufs angestammte Privatkundengeschäft zurückbesinnen - was der alte Bankvorstand gestern als eigene strategische Entscheidung zu verkaufen versuchte.

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