Enrico Letta
Politisches Wunderkind soll Italien retten

Er ist zwar erst 46 Jahre alt und für italienische Verhältnisse ein Nachwuchspolitiker - doch tatsächlich blickt Enrico Letta auf eine lange Karriere zurück. Diese Erfahrung wird er an Italiens Regierungsspitze brauchen.
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RomEnrico Letta soll es nun richten: Knapp zwei Monate nach den italienischen Parlamentswahlen führt der Vizechef der Demokratischen Partei (PD) die neue Regierung in Rom an. Der 46-Jährige gilt als umsichtig und moderat - eine wichtige Voraussetzung für die Koalition mit dem Erzfeind Volk der Freiheit (PdL) von Silvio Berlusconi. Trotz seines für Italiens Führungselite recht jungen Alters - Staatspräsident Giorgio Napolitano wird bald 88 - blickt Letta bereits auf eine umfangreiche politische Erfahrung zurück.

Bei seiner Ernennung am Samstag versprach Letta den krisengeplagten Italienern, endlich etwas gegen Arbeitsplatzabbau, Unternehmensschließungen, wachsende Armut und die schwindenden Chancen für die Jugend des Landes zu unternehmen. Trotz seiner 46 Jahre war er bereits Mitglied in vier Regierungen.

1966 in Pisa zur Welt gekommen, studierte Letta in seiner Heimatstadt Politikwissenschaften und internationales Recht. Seine erste politische Rede hielt er nach eigenen Angaben in seiner Studienzeit bei einer Demonstration gegen den sowjetischen Einmarsch in Afghanistan.

In den 90er Jahren war Letta Vorsitzender der Jungen Christdemokraten. Mit Anfang 30 machte ihn der damalige Regierungschef Massimo d'Alema 1998 zum Minister für Europäische Angelegenheiten. Ein Jahr später übernahm Letta das Industrieressort.

2004 wurde Letta ins Europaparlament gewählt und vertrat dort das Mitte-links-Bündnis L'Ulivo. Bereits 2006 kehrte er jedoch in die italienische Politik zurück und übernahm einen hohen Staatssekretärsposten in der Regierung von Romano Prodi. Die gleiche Position hatte unmittelbar zuvor sein Onkel Gianni Letta unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi inne gehabt.

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  • "Die gleiche Position hatte unmittelbar zuvor sein Onkel Gianni Letta unter Ministerpräsident Silvio Berlusconi inne gehabt." Das sagt eigentlich alles über die Ämtervergabe in Italien. - Es geht weiter, wie bisher. Nur mit Grillo hätten die Italiener eine Chance auf wirkliche Reformen gehabt. Schade....

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