Entführte Deutsche im Irak
Zweites Geiselvideo schockiert Steinmeier

„Schockierend, unmenschlich” nennt Außenminister Steinmeier das neue Video der irakischen Entführer. Experten halten die Aufnahme für authentisch - und äußern neue Vermutungen über das Motiv der Kidnapper.

HB BERLIN. Außenminister Frank-Walter Steinmeier zeigt sich nach dem neuerlichen Ultimatum der Entführer der beiden im Irak verschleppten Deutschen besorgt über das Schicksal der Geiseln. „Wir sind unverändert in großer Sorge“, sagte der Minister nach einem Gespräch mit seinem türkischen Kollegen Abdullah Gül in Berlin.

Das zuvor im Internet veröffentlichte neue Geisel-Video nannte Steinmeier „schockierend und unmenschlich“. Zugleich betonte der SPD-Politiker, dass der eingerichtete Krisenstab weiter rund um die Uhr für die Freilassung der 61-jährigen Hannelore Krause und ihres Sohnes arbeiten werde. „Wir geben die Hoffnung nicht auf, dass am Ende durch die Bemühungen des Krisenstabs eine Freilassung dennoch gelingt“, sagte Steinmeier.

Die Entführer der beiden Deutschen hatten der Bundesregierung zuvor ein neues Ultimatum gestellt. In einem am Dienstag verbreiteten Video geben sie Deutschland zehn Tage Zeit, seine Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Andernfalls würden die Geiseln getötet. Die entführte Hannelore Krause flehte die Bundesregierung unter Tränen um Hilfe an.

Der Terrorismusexperte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik sagte im ARD-Morgenmagazin, er halte es für ein „eher gutes Zeichen“, dass ein zweites Ultimatum gestellt worden sei. Es sei ein deutliches Signal, dass die Entführer ihre Forderungen nicht so ernst nähmen. Sie versuchten eher, über die Öffentlichkeit Druck auf die Bundesregierung auszuüben. Dies sei bereits bei vorangegangenen Entführungen geschehen. „Auch hier, meine ich, geht es den Geiselnehmern doch eher um das Geld“, sagte Steinberg.

Der ehemalige Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, erklärte dagegen im Bayerischen Rundfunk, ob die Entführer politische oder kriminelle Absichten hätten, sei schwer zu beurteilen. Chrobog betonte: „Der Staat kann nicht erpressbar sein, vor allem kann er nicht Dinge tun von dieser Größenordnung, die gar nicht erfüllbar sind“ - wie den Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan.

Hannelore Krause und ihr Sohn befinden sich seit zwei Monaten in der Hand der Kidnapper. Die Gruppe „Pfeile der Rechtschaffenheit“ hatte bereits am 10. März in einem Video ein zehntägiges Ultimatum verkündet. Nach Ablauf der Frist geschah zunächst jedoch nichts.

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