Entführung Deutscher im Irak
Terrorexperte: „Diese Leute führen den Medien-Dschihad“

Der Terrorismusexperte Guido Steinberg vermutet trotz des am Samstag veröffentlichten Geiselvideos aus dem Irak keine politischen Motive hinter der Entführung der beiden Deutschen: Die Kidnapper wollten Geld - und die Urheber des zweiten Videos seien vermutlich nur Trittbrettfahrer, die gar nicht im Irak agierten.

HB BERLIN. „Ich halte das weiterhin für eine kriminelle Entführung“, sagte Steinberg dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Es geht den Entführern vor allem darum, ein Lösegeld zu erpressen. Sie verbrämen dies mit Politik. Das Video dient dem Versuch, den Druck zu erhöhen“, sagte Steinberg, der als Spezialist für den internationalen islamistischen Terrorismus und den Irak für die Stiftung Wissenschaft und Politik arbeitet. Zuvor war er im Bundeskanzleramt tätig. In dem Geiselvideo bittet die verschleppte Hannelore Marianne K. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) um Hilfe für sich und ihren Sohn.

Steinberg vermutet, dass hinter dem ebenfalls am Samstag in einem Internetforum namens „Stimme des Kalifats“ veröffentlichten Video, das ebenfalls zum Abzug Deutschlands aus Afghanistan aufruft, in Europa lebende Muslime stecken. „Es gibt Hinweise darauf, dass sie aus Europa agieren. Das sind in der Regel Araber, die hier leben. Diese Leute tun sich zusammen, um den Medien-Dschihad zu führen.“

Die unbekannten Urheber des zweiten Videos führten keinen bewaffneten Kampf. Die Veröffentlichung verfolge vermutlich den Zweck, sich an das Video der Entführer anzulehnen, sagte Steinberg. Es handele sich ansonsten um zwei unabhängige Vorgänge. Die Extremisten hatten in ihren zwei Video-Botschaften mit Anschlägen in Deutschland und der Tötung deutscher Geiseln im Irak gedroht, sollte die Bundeswehr nicht aus Afghanistan abgezogen werden.

Derzeit sind fast 3 000 Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan stationiert. Erst am Freitag hatte der Bundestag die Entsendung von Aufklärungs-Tornados nach Afghanistan und damit eine Ausweitung des Bundeswehr-Engagements in dem Land beschlossen.

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