Entführung im Irak
Osthoffs Mutter klagt über Behörden

Die Mutter der im Irak entführten Susanne Osthoff hat den zuständigen Behörden vorgeworfen, sie unzureichend über das Schicksal ihrer Tochter zu informieren. „Wir hängen total in der Luft“, sagte Ingrid Hala am Mittwoch in Rott am Inn der dpa.

ROTT AM INN/BERLIN/BAGDAD. Das Bundeskriminalamt habe sie in der Nacht zum Dienstag kurz über die Entführung in Kenntnis gesetzt. Seither warte sie auf weitere Details von offizieller Seite. Die Schwester Susanne Osthoffs, mahnte die Regierung, auf die Kidnapper-Forderungen einzugehen. Die 43-jährige Susanne Osthoff war am vergangenen Freitag zusammen mit ihrem Fahrer im Irak von Unbekannten verschleppt worden.

„Wir sind zwischen Hoffen und Bangen“, sagte Hala. Sie hoffe stündlich darauf, Nachricht über ein glückliches Ende der Geiselnahme zu erhalten. „Aber das Schicksal wird sich kaum nach meinen Wünschen richten“, sagte Hala. Ihre Tochter, zu der sie seit rund fünf Jahren keinen Kontakt mehr hatte, bezeichnete die 66-Jährige als „mutig und stabil“.

Bundesregierung setzt auf konsequentes Vorgehen

Unterdessen setzt die Bundesregierung im Entführungsfall der deutschen Helferin auf ein konsequentes Vorgehen. „Wir lassen uns nicht erpressen“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrer Regierungserklärung am Mittwoch im Bundestag. „Im Kampf gegen den internationalen Terrorismus dürfen wir nicht nachlassen.“ Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) bekräftigte, alle Anstrengungen richteten sich darauf, die Freilassung der Deutschen und ihres Fahrers zu erreichen und deren Leben zu schützen.

Von der Verschleppten fehlt bislang jede Spur. Das irakische Innenministerium habe die Sicherheitsbehörden angewiesen, allen Hinweisen nachzugehen, sagte ein Sprecher in Bagdad.

Die Entführer fordern nach einem der ARD zugespielten Video von Deutschland ultimativ eine Ende der Zusammenarbeit mit Irak. Andernfalls würden die Geiseln getötet. Nach Worten Merkels sind Motive und Hintergründe der Tat noch unklar. An die Adresse der Angehörigen und Freunde von Osthoff richtete Merkel die Worte: „Alle Deutschen nehmen Anteil am Schicksal der Entführten, und alle Deutschen empfinden eine tiefe Solidarität und Verbundenheit.“

SPD-Fraktionschef Peter Struck warnte im Bundestag, Deutschland dürfe sich Erpressungen nicht beugen. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle meinte: „Wir müssen alle beieinander und zueinander stehen.“ Der Fraktionschef der Linkspartei, Gregor Gysi, betonte, er hoffe, dass es der Regierung gelinge, „wenigstens das Leben dieser beiden zu retten, wo schon so viele Menschen im Irak getötet worden sind“. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn betonte: „Wir haben Hoffnung und Zuversicht, dass die Bundesregierung still und geräuschlos das Beste tut, das man tun kann, jenseits allen Parteienstreits.“

Die USA werden Deutschland in dem Entführungsfall nach Worten Steinmeiers mit ihren regionalen Kenntnissen im Irak behilflich sein. Die deutsche Botschaft in Bagdad, das Bundeskriminalamt und das Auswärtige Amt seien intensiv bei der Arbeit. Der außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, Andreas Schockenhoff (CDU), bekräftigte die Hilfe Deutschlands für den Irak. Die Bundesrepublik müsse sich weiter am Aufbau des Landes beteiligen, weil dies auch zur Stabilisierung des gesamten arabischen Raumes beitrage.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, sprach sich in der „BZ“ (Donnerstag) trotz der Entführung dafür aus, den humanitären Einsatz des DRK im Krisengebiet fortzusetzen. Das rote Kreuz auf weißem Grund sei zwar längst kein Zeichen für Sicherheit mehr. „Wir machen aber trotzdem weiter.“

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