Entführung im Irak
„Unsere Gebete wurden erhört“

Susanne Osthoff hat der Bundesregierung und dem Krisenstab für die erfolgreichen Bemühungen um ihre Freilassung gedankt. Dem Medienrummel samt Blitzlichtgewitter entflieht sie jedoch weiter. Nach mehr als drei Wochen in Geiselhaft hat die Deutsche ein ganz anderes Bedürfnis.

HB BERLIN. Die Freilassung der Archäologin ist in ganz Deutschland mit Freude aufgenommen worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundespräsident Horst Köhler und die Angehörigen zeigten sich erleichtert über den glücklichen Ausgang der Entführung. Osthoff selbst dankte der Bundesregierung, dem Krisenstab und der Botschaft in Bagdad für die Bemühungen um ihre Freilassung. Die 43-Jährige befand sich am Montagabend noch in „sicherer Obhut“ der Botschaft. Sie wolle den Irak aber in „allernächster Zukunft“ verlassen, teilte das Auswärtige Amt mit.

Nun will die Archäologin offenbar zunächst einige Zeit mit ihrer Tochter verbringen. Die Tochter stammt aus der Ehe Osthoffs mit einem Iraker. Das Mädchen wurde während der Geiselhaft ihrer Mutter zwölf Jahre alt. Sie lebte nach der Scheidung ihrer Eltern in Deutschland - wo genau, weiß aber nicht einmal die Familie. „Sie müsste in einem Internat sein, was man so gehört hat“, sagte Susannes Onkel Peter Osthoff kurz nach der Entführung.

Susanne Osthoff hatte den Kontakt zu ihrer Familie in den vergangenen Jahren fast ganz abgebrochen. Bei ihrer Familie ist die Freude dennoch groß. Osthoffs Mutter Ingrid Hala, die im oberbayerischen Rott am Inn lebt, sagte am Montagvormittag, sie wisse nicht, ob und wann ihre Tochter nach Deutschland zurückkommen werde. „Wichtig ist jetzt nur, dass sie frei ist.“ Auch Schwester Anja reagierte erleichtert auf das Ende der Entführung. „Ich freue mich total, aber es ist fast unwirklich“, sagte sie. "Unsere Gebete wurden erhört", ergänzte Bruder Robert Osthoff. "Sie wird wahrscheinlich so lange auf ihre Entführer eingeredet haben, bis sie sie rausgeschmissen haben", sagte der 41-jährige Handwerker und Kurierfahrer.

„Frau Osthoff bat um Verständnis dafür, dass sie zunächst nicht nach Deutschland zurückkehren wolle, sondern fernab der Öffentlichkeit gemeinsam mit ihrer Tochter einige Tage verbringen möchte“, sagte der Leiter des Krisenstabs, Außenamtsstaatssekretär Klaus Scharioth, am Montag nach einem Telefonat mit Osthoff. Die Archäologin war am Sonntag rund drei Wochen nach ihrer Entführung freigelassen worden. Auch ihr Fahrer Chalid al Schimani befindet sich nach dpa-Informationen nicht mehr in der Gewalt der Entführer.

Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Jäger, betonte aber, Al Schimani habe sich bislang noch nicht bei der deutschen Botschaft in Bagdad gemeldet. Die Entführer hatten zugesichert, auch den Iraker auf freien Fuß zu setzen. Susanne Osthoff geht es nach Worten Jägers den Umständen entsprechend gut. Sie sei in guter körperlicher Verfassung. Am Abend dementierte das Auswärtige Amt eine Meldung des Fernsehsenders n-tv, wonach Osthoff die Botschaft verlassen habe und auf eigene Faust im Irak unterwegs sei.

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