Entführung im Jemen
Freilassung der Chrobogs verzögert sich

Die Freilassung der im Jemen entführten Familie des ehemaligen Staatssekretärs Jürgen Chrobog verzögert sich. Am frühen Abend hatte es geheißen, die Übergabe der Gefangenen stünde kurz bevor. Doch dann kam es zu Unstimmigkeiten unter den Geiselnehmern.

HB SANAA/BERLIN. Scheichs des Stammes der Entführer versuchen weiter, die Geiselnehmer von einer Vereinbarung mit der Regierung zu überzeugen. Einige der jüngeren Geiselnehmer hatten verlangt, dass vor der Freilassung Jürgen Chrobogs und seiner Familie fünf Angehörige eines rivalisierenden Stammes festgenommen werden müssten. Zuvor hatten die jemenitischen Vermittler erklärt, sie erwarten die Freilassung Chrobogs und seiner Familie noch an diesem Abend. Die Familie befinde sich auf dem Weg zu dem Ort, an dem sie gegen einheimische Vermittler ausgetauscht werden sollen.

Bereits kurz vor 19.00 Uhr deutscher Zeit hatte ein jemenitischer Regierungsvertreter gesagt: „Eine Gruppe der Stammesführer ist jetzt bei den Geiseln und wir erwarten, dass sie in wenigen Minuten freigelassen werden“. Dann hieß es, die Freilassung solle bis 21.15 Uhr MEZ erfolgen. Das Auswärtige Amt in Berlin machte zum Stand der Verhandlungen weiterhin keine Angaben. Es hieß, man habe zu wenige Angaben aus eigener Quelle, um Stellung zu nehmen.

Regierungs- und Stammesvertreter zeigten sich trotz der Verzögerung weiter optimistisch, dass die Geiseln bald freikämen. Nach der Vereinbarung haben die Behörden den Angaben zufolge lediglich zugesichert, die Verhaftung von Mitgliedern eines mit dem Clan der Entführer rivalisierenden Stammes intensiv zu betreiben. Diese sollen dann zusammen mit inhaftierten Angehörigen der Kidnapper einem Armeegeneral übergeben werden, der eine seit zwölf Jahren währende Blutfehde zwischen den beiden Stämmen schlichten soll.

Scheich Awadh bin al Wasir hatte am Freitagabend erklärt, er habe den Bedingungen der Entführer zugestimmt. „Wir haben in die Forderungen der Kidnapper eingewilligt, nachdem wir uns mit dem Präsidenten und Regierungsvertretern beraten haben“, sagte Al Wasir.

Zuvor hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) die Regierung in Sanaa am Freitag dringend um eine schnelle und gewaltfreie Lösung gebeten. Unterdessen ließ die jemenitischen Regierung nach Augenzeugenberichten Militärhubschrauber über den Aufenthaltsort der Geiseln fliegen, offenbar um die Entführer einzuschüchtern.

Steinmeier richtete an Jemens Präsident Ali Abdullah Salah die Bitte, dem Leben und der körperlichen Unversehrtheit des früheren Außenstaatssekretärs Jürgen Chrobog, seiner Frau Magda und der drei Söhne unbedingte Priorität einzuräumen. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes (AA) hat Sanaa das zugesichert. Das AA setzt weiter auf eine Freilassung bis Samstagabend. Sprecher Martin Jäger sagte in Berlin: "Wir hoffen, dass wir bis morgen Abend zu einer Lösung kommen." Er wiederholte: "Was wir brauchen ist Geduld, Nerven und Zeit." Der Krisenstab in Berlin tagte erneut mit Steinmeier.

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