Entführung in Afghanistan
Lebt eine Geisel doch noch?

Rätselraten im Entführungsfall: Während ein angeblicher Taliban-Sprecher behauptet, die beiden deutschen Geiseln umgebracht zu haben, teilt das afghanische Außenministerium mit, eine Geisel lebe noch. Der zweite Deutsche sei einem Herzanfall erlegen.

HB KABUL/BERLIN. Der Sprecher des Außenministeriums Sultan Ahmad Bahin wies damit die Angaben der radikal-islamischen Taliban zurück. Verhandlungen über die Freilassung der noch lebenden Geisel seien noch im Gange. Ein Sprecher der Organisation hatte den Tod der beiden Deutschen bekannt gegeben. Die Männer seien erschossen worden, weil Deutschland die Forderung nach einem Truppenabzug nicht erfüllt habe. Nur wenige Stunden zuvor hatte Kari Jussuf Ahmadi dies behauptet. Nach Informationen der afghanischen Sicherheitskräfte sei der zweite Deutsche noch am Leben. Es werde alles getan, um seine Freilassung zu erreichen, sagte Bahin.

Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes arbeitet nach den Worten von Kanzlerin Angela Merkel wegen der Entführung der beiden Deutschen weiter auf Hochtouren. Das Gremium setze alles daran, dass die beiden wieder frei kämen, sagte die CDU-Politikerin der „Passauer Neuen Presse“ laut einer Vorabmeldung. „Mehr kann ich auch im Interesse der Betroffenen dazu nicht sagen.“ Man nehme die Berichte über die Ermordung der beiden Geiseln aber „sehr ernst“, erklärte das Auswärtige Amt in Berlin.

Die „Bild am Sonntag“ berichtete, bei dem Sprecher handele es sich möglicherweise um einen Trittbrettfahrer. Die Zeitung habe aus Berliner Regierungskreisen erfahren, dass Ahmadi nicht für die Entführer spreche. Auch die Nachrichtendienste hätten bestätigt, dass Ahmadi nichts mit den Entführern der beiden Deutschen zu tun habe. Das Auswärtige Amt wollte auf Anfrage zu dem Bericht nicht Stellung nehmen.

Die zwei Bauingenieure waren am Mittwoch zusammen mit fünf einheimischen Kollegen verschleppt worden. Sie arbeiteten an einem Dammprojekt. Am Freitag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban zu der Entführung und forderten Deutschland ultimativ auf, seine Soldaten aus Afghanistan abzuziehen.

Die Taliban haben nach eigenen Angaben auch noch 18 Südkoreaner als Geiseln in ihrer Gewalt. Sie haben mit deren Ermordung gedroht, falls Südkorea seine rund 200 Soldaten nicht aus dem Land abziehe. Die Regierung in Seoul ist nach eigenen Angaben mit den Entführern in Kontakt.

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