Entführung in Afghanistan
Taliban töten angeblich deutsche Geiseln

Die Taliban haben nach eigenen Angaben die beiden deutschen Geiseln, die sie am Mittwoch entführt hatten, getötet. Das berichten mehrere Agenturen. Von offizieller Seite gibt es noch keine Bestätigung für die Meldungen.

KANDAHAR/KABUL. Am Morgen hieß es zunächst, die Taliban hätten einen der beiden Bauingenieure getötet. Soeben wird gemeldet, auch die zweite Geisel sei umgebracht worden. Die Angaben konnten nicht von unabhängiger Seite bestätigt werden, das Auswärtige Amt in Berlin hatte zunächst nicht Stellung genommen. Die Taliban forderten zuvor ultimativ den Abzug der deutschen Soldaten aus Afghanistan und die Freilassung aller Kameraden aus afghanischen Gefängnissen.

Am Morgen hatte Taliban-Sprecher Qari Mohammed Jusuf die Ermordung der ersten Geisel verschiedenen Nachrichtenagenturen mitgeteilt. Gegenüber Reuters hatte er bereits per Telefon von einem unbekannten Ort aus mit der Ermordung der zweiten Geisel gedroht, sollte Deutschland sich nicht zu einem Abzug aus Afghanistan bereit erklären. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuvor Forderungen nach einem Abzug der deutschen Soldaten abgelehnt.

Die zwei Bauingenieure waren am Mittwoch verschleppt worden. Sie arbeiteten an einem Dammprojekt. Am Freitag bekannten sich die radikal-islamischen Taliban zu der Entführung. Die erste Geisel sei um 12:05 Uhr Ortszeit (09:35 mitteleuropäische Zeit) erschossen worden, sagte der Sprecher in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur AP, die ihn mit dem Namen Kari Jusuf Ahmadi zitiert. Der zweite Mann werde um 01:00 Uhr getötet, sollte sich die Bundesregierung der Forderung nach einem Truppenabzug nicht beugen, meldete AP. „Die Deutschen haben nicht erklärt, dass sie ihre Soldaten aus Afghanistan abziehen, daher haben die Kommandeure der Taliban beschlossen, den Deutschen zu töten“, sagte Ahmadi.

Das Auswärtige Amt nehme die Berichte der Taliban „sehr ernst“, habe aber noch keine unabhängige Bestätigung dafür. Dies erklärte der Sprecher von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, Martin Jäger, auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP in Berlin. „Der Krisenstab geht allen Hinweisen nach, steht in engem Kontakt mit der afghanischen Regierung und setzt seine Anstrengungen mit hoher Intensität fort“, betonte er.

Bislang hat das Amt starke Zweifel daran geäußert, dass sich die Männer tatsächlich in der Gewalt der Islamisten befinden. Ein Sprecher sagte gestern, es gebe keine belastbaren Hinweise. Zuletzt war Anfang Juli ein Deutscher nach einer Woche in der Hand von Geiselnehmern freigekommen. Im Oktober 2006 waren im relativ sicheren Norden Afghanistans zwei deutsche Journalisten ermordet worden. Derzeit sind in dem Land mehr als 3 000 Bundeswehrsoldaten im Einsatz. Die jüngste Entführung ereignete sich außerhalb ihres Kommandobereichs.

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