Entführungsdrama in der Türkei
Deutsche Geiseln: PKK kündigt Erklärung an

Das Schicksal der drei in der Osttürkei entführten deutschen Bergsteiger ist weiter ungewiss. "Wir bemühen uns intensiv um die Aufklärung der Hintergründe", sagte Außenminister Steinmeier. Indes kündigten die Entführer von der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK eine Erklärung zum Schicksal der Geiseln an.

HB ANKARA. Die PKK wird sich voraussichtlich an diesem Donnerstag in einer Erklärung zur Entführung der drei deutschen Bergsteiger äußern, berichtete die der PKK nahestehende Nachrichtenagentur Firat auf ihrer Internetseite. Die drei Männer im Alter von 33, 47 und 65 Jahren waren am Dienstagabend in der Osttürkei in einem Camp am Berg Ararat verschleppt worden.

Nach Angaben des Gouverneurs der Provinz Agri, Mehmet Cetin, will die PKK ihre Geiseln in den kommenden Tagen freilassen. Sie habe die Entführung mit den "jüngsten Aktionen" der Bundesregierung gegen die PKK begründet.

Indes sperrten die türkischen Behörden den Berg Ararat im Osten des Landes für Bergsteiger. Der zuständige Gouverneur der Provinz Agri an der Grenze zum Iran begründete den Schritt mit der Suche nach den Entführten.

In Berlin bemüht sich gleichzeitig der Krisenstab des Auswärtigen Amtes weiter um die Freilassung der aus Bayern stammenden Bergsteiger. Außenminister Frank-Walter Steinmeier hatte am Mittwochabend zugesichert, alles für die entführten Bergsteiger zu unternehmen. "Wir bemühen uns intensiv um die Aufklärung der Hintergründe. Natürlich unternehmen wir alles, um zu einer baldigen Freilassung zu kommen", erklärte er.

Das Auswärtige Amt rät als Konsequenz aus der Entführung dringend von Reisen in den Südosten der Türkei, insbesondere die Provinzen Hakkari, Sirnak, Mardin, Siirt, Van, Agri und Igdir ab. Wegen der deutschen Maßnahmen gegen den PKK-nahen kurdischsprachigen TV-Sender Roj-TV lägen Gefährdungshinweise vor, heißt es auf der Internet-Seite des Ministeriums. Es bestehe die Gefahr, dass Deutsche, insbesondere Individualreisende, in diesen Provinzen Opfer von Racheakten durch die PKK werden könnten.

Die PKK kämpft seit 1984 für einen eigenen Staat der Kurden oder zumindest ein Autonomiegebiet im Südosten der Türkei, auch mit Anschlägen in Touristengebieten. Hintergrund der Entführung soll das jüngste Vorgehen der Bundesregierung gegen die in Europa und den USA als Terrororganisation eingestufte PKK sein. Vor knapp drei Wochen hatte das Bundesinnenministerium ein Betätigungsverbot gegen einen kurdischen Fernsehsender verhängt. Die PKK selbst ist in Deutschland seit November 1993 verboten.

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