Enthauptete Leichen entdeckt
Welle der Gewalt reißt im Irak nicht ab

Bei Kämpfen und Anschlägen kamen am Sonntag im Irak erneut Dutzende Menschen ums Leben. In der Nähe der nordöstlich von Bagdad gelegenen Stadt Bakuba wurden zudem 30 Leichen gefunden, viele waren enthauptet.

HB BAGDAD. Angesichts der dramatischen Lage riefen die islamische Staaten die politischen Führer im Irak am Wochenende zur raschen Bildung einer Regierung der nationalen Einheit auf. Auch zwei einflussreiche US-Senatoren drangen bei einem Irak-Besuch auf eine schnelle Regierungsbildung.

Anwohner hätten die größtenteils enthaupteten Leichen an einer Straße nahe der Ortschaft Molla Eid südwestlich von Bakuba entdeckt, teilte das irakische Militär mit. Es handele sich ausschließlich um männliche Opfer. Weitere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Die Sicherheitskräfte leiteten eine Untersuchung ein. Zuvor waren bereits in Madain südlich von Bagdad sechs von Kugeln durchsiebte Leichen gefunden worden. Wie die irakische Polizei mitteilte, wurden in verschiedenen Stadtteilen Bagdads zudem zehn weitere Tote gefunden.

Bei Kämpfen zwischen dem US-Militär und schiitischen Milizen starben in Bagdad am Sonntag bis zu 20 Menschen. Wie der arabische Nachrichtensender Al-Arabija am Abend berichtete, lieferten sich die US-Soldaten ein Feuergefecht mit Kämpfern der so genannten Mahdi- Armee des radikalen Schiiten-Predigers Muktada al-Sadr.

Zuvor waren in der irakischen Hauptstadt nach Angaben von Augenzeugen bei der Explosion einer Bombe vier Insassen eines Kleinbusses getötet worden. In Al-Ratba, 500 Kilometer westlich von Bagdad, wurden zwei Menschen getötet, als US-Soldaten ein Auto beschossen, das sich einem Militärstützpunkt näherte.

US-Soldaten haben bei einer Razzia in einem Gebäude des Innenministeriums etwa zehn irakische Polizisten vorübergehend in Gewahrsam genommen. Die Truppen hätten dort 17 sudanesische Gefangene entdeckt, sagte ein Polizeisprecher. Die Soldaten hätten die Bewachung der Häftlinge übernommen. Den US-Streitkräften hätten offenbar Berichte vorgelegen, dass die Gefangenen misshandelt worden seien. Dies sei jedoch nicht der Fall gewesen, erklärte der Sprecher, und die Polizisten seien wenig später wieder freigelassen worden. Zunächst war von 40 Festnahmen die Rede, die Zahl wurde aber später korrigiert.

„Die Lage im Irak verschlechtert sich immer weiter“, erklärte der Generalsekretär der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC), Ekmeleddin Ihsanoglu, am Samstag. „Angesichts dieser unerfreulichen Entwicklung in dem Land ist es nicht länger möglich zu schweigen“. Er forderte eine rasche Einigung der verschiedenen politischen und religiösen Lager im Irak.

US-Senator John McCain sagte, er sei „vorsichtig optimistisch“, dass die irakischen Politiker „innerhalb von Wochen“ eine Regierung bilden würden. „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die irakischen Führer die Notwendigkeit schnellen Handelns verstanden haben“, erklärte McCain, der sich mit seinem Kollegen Russ Feingold ein Bild von der Lage gemacht hatte.

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