Enthüllung von Finanzskandal
Vatikan verklagt Journalisten

Wegen der jüngsten Veröffentlichung vertraulicher Dokumente will der Vatikan fünf Personen vor Gericht bringen, darunter zwei Journalisten. Diese hatten einen Finanzskandal im Kirchenstaat aufgedeckt.

Vatikanstadt/RomNach dem jüngsten Datenleck im Vatikan haben die vatikanischen Justizbehörden Anklage gegen fünf Verdächtige erhoben. Wie italienische Medien am Samstag berichteten, soll der Prozess bereits am Dienstag mit einer Voranhörung beginnen. Der stellvertretende Vatikan-Sprecher Ciro Benedettini wollte auf Anfrage lediglich bestätigen, dass Vorladungen verschickt worden seien. Der Vatikan werde sich zu einem späteren Zeitpunkt ausführlicher dazu äußern.

Wie die Zeitung „La Repubblica“ berichtete, müssen sich insgesamt fünf Beschuldigte wegen der Weitergabe und Verbreitung vertraulicher Dokumente vor der Vatikan-Justiz verantworten. Anfang November waren in der Affäre bereits der spanische Priester Lucio Ángel Vallejo Balda und die frühere Papst-Vertraute Francesca Chaouqui festgenommen worden.

Verhört wurden zudem die beiden Journalisten Emiliano Fittipaldi und Gianluigi Nuzzi, die vor kurzem Bücher über das Finanzgebaren im Kirchenstaat veröffentlicht hatten. Darin zitieren sie aus vertraulichen Dokumenten und werfen dem Vatikan unter anderem vor, mit Spendengeldern für kranke Kinder den luxuriösen Lebensstil einiger Kardinäle zu finanzieren.

Bei dem fünften Beschuldigten handelt es sich den Berichten zufolge um Nicola Maio, der wie Vallejo Balda und Chaouqui der von Papst Franziskus eingerichteten Kommission für die Überprüfung der Wirtschafts- und Verwaltungsstrukturen (Cosea) im Vatikan angehörte. Von den fünf Beschuldigten sitzt nur Vallejo Balda im Vatikan in Haft. Chaouqui versprach, mit der Vatikan-Justiz zusammenzuarbeiten und wurde kurz nach ihrer Festnahme wieder freigelassen.

Der Enthüllungsjournalist Fittipaldi zeigte sich erschüttert über die Anklage. „Vielleicht bin ich naiv“, sagte Fittipaldi der Nachrichtenagentur Ansa. Er sei aber davon ausgegangen, dass der Vatikan nicht gegen ihn, sondern gegen diejenigen vorgehen werde, deren kriminelle Machenschaften er aufgedeckt habe.

Fittipaldis Kollege Nuzzi spielte bereits in der sogenannten Vatileaks-Affäre aus der Zeit von Papst Benedikt XVI. eine prominente Rolle. Auch damals waren in größerem Stil geheime Papiere aus dem Vatikan geschmuggelt und publiziert worden. Nach der Affäre hatte Papst Franziskus 2013 die Gesetze gegen Enthüller in den eigenen Reihen verschärft.

afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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