Enthüllungsbuch
Rumsfeld sollte gehen

Ein neues Enthüllungsbuch sorgt in den USA für Furore. Im Zentrum des Werks steht die US-Regierung und deren Umgang mit der Irak-Krise. Bob Woodward, Mit-Enthüller des "Watergate"-Skandals, berichtet von Machtintrigen und Realitätsverweigerung.

HB WASHINTON. Woodwards schwerster Vorwurf in seinem Enthüllungsbuch: Die US-Regierung habe frühe Warnungen schon im September 2003 über die Risiken im Irak missachtet. Den Vorabberichten zufolge alarmierten kurz nach dem Krieg Robert D. Black und Paul Bremer die damalige Sicherheitsberaterin des Präsidenten und heutige Außenministerin Condoleezza Rice.

Über eine abhörsichere Telefonleitung verlangten sie mehr Soldaten im Land: Der Druck im Irak wachse. Black soll die dringende Bitte um Verstärkung sogar in einem "länglichen Memorandum" an Rice geschickt haben. Nach Woodwards Recherchen blieb dieser Hilferuf ohne Antwort.

Brisant ist auch eine andere Enthüllung: Demnach soll es in der US-Regierung ernsthafte Pläne für eine Entlassung von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld gegeben haben. Der frühere Stabschef im Weißen Haus, Andrew Card, habe Präsident George W. Bush nach dessen Wiederwahl im November 2004 zu überzeugen versucht, sich von Rumsfeld zu trennen und ihn mit dem früheren Außenminister James Baker zu ersetzen.

Wie die „Washington Post“ aus dem Buch ihres Starreporters weiter zitierte, hätten Vizepräsident Dick Cheney und Präsidentenberater Karl Rove aber vor einem solchen Schritt gewarnt, weil dies als Zweifel am Kurs im Irak hätte ausgelegt werden können. Bush habe sich deshalb entschlossen, an Rumsfeld festzuhalten.

Im November 2005 habe Card einen zweiten Anlauf unternommen und sei dabei von Bushs Frau Laura unterstützt worden. Der Präsident habe sich aber erneut für Rumsfeld entschieden.

Woodwards Buch soll nächste Woche veröffentlicht werden und handelt nach Angaben der Zeitung vom Umgang der US-Regierung mit dem Irak-Krieg und dessen Folgen. Vor 30 Jahren enthüllte Woodward zusammen mit Carl Bernstein den Einbruch der Republikaner ins Hauptquartier der Demokraten, die Watergate-Affäre.

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