Entschädigungen zugesagt
Rumsfeld übernimmt Verantwortung

US-Verteidigungsminister Rumsfeld hat persönlich die Verantwortung für die Misshandlungen gefangener Iraker übernommen. Einem Ausschuss des US-Senats stand er am Freitag Rede und Antwort.

HB BERLIN. Pentagon-Chef Donald Rumsfeld, hat am Freitag dem Streitkräfteausschuss des US-Senats Auskunft über die Misshandlungen von Irakern durch US-Soldaten gegeben. Er übernahm persönlich die Verantwortung für die Geschehnisse. «Ich bin voll verantwortlich», sagte er, lehnte aber einen Rücktritt ab.

Nun müsse es darum gehen, «diejenigen, die die Gefangenen misshandelten», strafrechtlich zu verfolgen und «Veränderungen herbeizuführen, so dass so etwas nie wieder passiert». Auf Nachfrage bestätigte er, dass «auch diejenigen, die zu solcherart Verhalten aufgerufen» hätten, zur Verantwortung gezogen werden müssten. Rumsfeld lehnte es jedoch ab, näher darauf einzugehen, wer genau in der «Kette der Verantwortlichkeiten» zu dem Thema Stellung beziehen müsse. Das sei im Hinblick auf die anstehenden Gerichtsverhandlungen nicht angebracht. Um mögliche Beeinflussungen von den an Verhandlungen Beteiligten zu vermeiden, müssten «jetzt alle sehr vorsichtig sein mit dem, was sie sagen.»

Die Gefangenen Iraker seien «menschliche Wesen in der der Hand von Amerikanern» gewesen. Die US-Armee habe «jegliche Pflicht» gehabt, diese «entsprechend richtig zu behandeln». Dies sei nicht geschehen, und er bedauere dies zutiefst, sagte Rumsfeld. An die Misshandelten selbst richtete er seine «aufrichtige Entschuldigung» und versprach, sie würden «für alles Erlittene entschädigt». Das Verhalten der US-Soldaten, die unmenschlich mit den ihn ausgelieferten Irakern umgegangen seien, sei nicht nur «den Werten unserer Nation» entgegengesetzt, sondern in jeder Hinsicht «vollkommen un-amerikanisch», so Rumsfeld.

Er bedauere den Schaden, den der Ruf der US-Armee dadurch erhalten habe. Die meisten US-Soldaten seien «wahrhaft wundervolle Menschen» und verdienten besseres. Rumsfeld wies darauf hin, dass nur ein kleiner Teil für die Misshandlungen verantwortlich sei. «Immerhin waren es aber auch US-Soldaten, die diese Geschichte an die Öffentlichkeit brachten», sagte Rumsfeld. Ausdrücklich lobte er den Soldaten Joseph Darby, der die zuständigen Behörden informierte.

Der Verteidigungsminister war in den vergangenen Tagen massiv kritisiert worden, weil er die Abgeordneten und US-Präsident George W. Bush nicht früher über die Foltermethoden der US-Armee informiert hatte. Rumsfeld bezeichnete das jetzt als seinen Fehler. «Ich habe nicht erkannt, wie wichtig es war, Präsidenten und Kongress zu informieren», sagte er.

Abgeordnete wollten wissen, ob die Missbrauchsfälle im irakischen Gefängnis Abu Ghraib auf systematische Quälereien in den irakischen Haftanstalten schließen lassen. Mehrere demokratischen Politiker forderten am Freitag den Rücktritt des Pentagon-Chefs. Demonstranten störten Rumsfelds Aussage am Freitag. Sie riefen: «Was ist mit den anderen Menschen, die in Irak von US-Soldaten misshandelt werden?» und bezeichneten den Pentagon-Chef als «Kriegsverbrecher». Während die Saalpolizei die Protestierenden heraus eskortierte, skandierten die Männer und Frauen: «Feuert Rumsfeld.»

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