Entscheidender Schritt für Nahost-Friedensplan
Hamas und Dschihad rufen Waffenruhe aus

Zwei palästinensische militante Organisationen, Hamas und Islamischer Dschihad, haben am Sonntag ihre Aktionen gegen Israel für die Dauer von drei Monaten eingestellt. Voraussetzung sei, dass Israel seinerseits militärische Aktionen gegen sie einstelle und die Abriegelung palästinensischer Gebiete aufhebe, verlautete aus palästinensischen Kreisen. Eine gemeinsame Erklärung aller militanten Organisationen, die für Sonntag erwartet worden war, kam nicht zu Stande.

HB/dpa JERUSALEM/GAZA. Israelische und palästinensische Offiziere erörterten am Sonntag Einzelheiten eines ersten israelischen Rückzugs aus dem Gazastreifen. Nach israelischen Berichten könnte sich die Armee am Montag aus dem Norden des Gazastreifens zurückziehen. Der israelische Befehlshaber für den Gazastreifen, Brigadegeneral Gad Schamni, und der palästinensische General Abdel Rasik el Medscheida besprachen die Wiederöffnung der Fernstraße, die den Gazastreifen von Nord nach Süd durchzieht. Gespräche über einen israelischen Rückzug aus Bethlehem im Westjordanland sollen in dieser Woche folgen.

Die US-Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice erörterte mit der israelischen und der palästinensischen Führung, wie die Umsetzung des internationalen Friedensplans vorangetrieben werden kann. Der israelische Ministerpräsident Ariel Scharon informierte Rice über geplante Maßnahmen, die Beschränkungen für Palästinenser zu lockern. Dazu gehören die Entlassung palästinensischer Häftlinge und die Erlaubnis, den 2001 von Israel zerstörten Flughafen von Gaza-Stadt wieder aufzubauen.

Rice übte Kritik an der im Bau befindlichen acht Meter hohen Mauer, die Kern-Israel vom Westjordanland trennen und das Einsickern von Selbstmordattentäter verhindern soll. Das könne als Vorwegnahme der endgültigen Grenzziehung interpretiert werden. Mitglieder des israelischen Sicherheitskabinetts erwiderten nach Angaben von Radio Israel, die Mauer sei aus Sicherheitsgründen unverzichtbar und unverhandelbar. Seit der Gazastreifen eingezäunt sei, habe es von dort keine Infiltrationen gegeben, sagte Außenminister Benjamin Netanjahu.

Rice war Samstagabend in der Region eingetroffen und hatte zunächst in Jericho mit dem palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas, Außenminister Nabil Schaath und Sicherheitsminister Mohammed Dachlan gesprochen. Dabei lud sie Abbas zu einem Besuch im Weißen Haus nach Washington ein.

Hatem Abdel Kadder, der Fatah-Führer im Westjordanland, sagte vor der Presse, zwischen den verschiedenen militanten Gruppierungen gebe es Meinungsverschiedenheiten über den Text einer Waffenruhe- Erklärung. Einige wollten keinen Text, der als Annahme des internationalen Friedensplans interpretiert werden könne.

Die Al-Aksa-Märtyrerbrigaden, der bewaffnete Arm der Fatah- Bewegung, bestehen auf der Freilassung aller palästinensischen Häftlinge durch Israel. Die Palästinensische Volksbefreiungsfront PFLP und die Demokratische Befreiungsfront DFLP lehnen eine Waffenruhe ab, doch sagte der PFLP-Vertreter im Gazastreifen, Kajed el Ghoul, man wolle sie dennoch respektieren, um inner- palästinensischen Zwist zu vermeiden.

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