Entscheidung erwartet
Obama klammert sich an seinen Finanzminister

Geithner ist der letzte Top-Berater aus dem Wirtschaftsteam, mit dem Obama antrat. Doch der Finanzminister erwägt seinen Rückzug. Für die Regierung wäre das ein schwerer Schlag. Obama will das verhindern.
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WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat Finanzminister Timothy Geithner gebeten, auch nach dem Ende des Schuldenstreits sein Amt weiter auszuüben. Geithner habe sich aber noch nicht entschieden, sagten Regierungsvertreter am Donnerstag. Der Finanzminister wolle seinen Beschluss bald bekanntgeben. Obama und Geithner hätten diverse Gespräche geführt. Geithner hatte angedeutet, nach einer Einigung im Schuldenstreit seinen Posten aus familiären Gründen aufzugeben. Die USA hatten zu Wochenbeginn eine drohende Staatspleite auf den letzten Drücker abgewendet.

Überraschen würde Geithners ein Rücktritt indes nicht, war der Finanzminister nach zahlreichen Personalwechseln in der US-Regierung doch die letzte verbliebene Schlüsselfigur aus Obamas Wirtschaftsteam der ersten Stunde.

Das Ausscheiden jenes Wirtschaftsteams, das die Weichen auf dem Höhepunkt der Finanzkrise gestellt hatte, dürfte dabei auch Geithner zu Abwanderungsgedanken veranlasst haben. Geithner hatte noch mit Notenbankchef Ben Bernanke und Hank Paulson, dem Finanzminister unter George W. Bush, 2008 an den Rettungsplänen für den Finanzsektor mitgewirkt. Als Chef der New Yorker Niederlassung der Fed war er maßgeblich an den Rettungsplänen für die ins Schleudern geratenen Finanzinstitute an der Wall Street Institute beteiligt. Später entwickelte er die Blaupause für die Hilfen für die US-Autoindustrie.

Dass sich Präsident Barack Obama für Geithner als Finanzminister entschied, hatte wesentlich damit zu tun, dass der jungenhaft wirkende New Yorker die amerikanische Finanzarchitektur kannte wie kaum ein anderer. Zudem wollte der neugewählte Präsident inmitten der Krise einen reibungslosen Wechsel der ökonomischen Führung von der alten auf die neue Regierung sicher stellen. Nach seiner Vereidigung als Finanzminister Ende 2009 war der parteilose Geithner ebenfalls an zentraler Stelle an der Ausarbeitung des über 700 Milliarden Dollar schweren Stimuluspakets zur Stützung der Konjunktur beteiligt.

Allerdings verließen seit Herbst vergangenen Jahres nacheinander wichtige Mitstreiter die ökonomische Mannschaft von Obama. Angefangen mit Budgetdirektor Peter Orszag, der Chefin des Wirtschaftsrates beim Präsidenten, Christina Romer, dem ökonomischen Zaren und politischen Schwergewicht Larry Summers bis zum Topberater Austan Goolsbee, der erst vor wenigen Wochen sein Ausscheiden ankündigte.

Zwar gaben alle von ihnen unterschiedliche Gründe für ihren Entschluss an, doch dürfte ihnen gemeinsam sein, dass sie nach mehr als zwei Jahren der permanenten Krisenverantwortung ausgebrannt waren – und sind. Dazu trug im Falle Geithners auch die aktuelle hitzige Debatte über die Anhebung der Schuldenobergrenze bei.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Markus Ziener ist Korrespondent in Washington.
Markus Ziener
Handelsblatt / Korrespondent

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