Entscheidung steht noch aus
Noch keine Einigung auf neuen Regierungschef

Wer übernimmt die Macht? Nach dem Sturz des ägyptischen Präsidenten Mursi gibt es eine mögliche Annährung im Ringen um einen neuen Regierungschef. Neue Massenproteste schüren indes die Angst vor weiterer Gewalt.
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KairoBei der Suche nach einer Übergangsregierung in Ägypten hat es noch keinen Durchbruch gegeben. Am Sonntag noch kristallisierte sich plötzlich der liberale Wirtschaftswissenschaftler Siad Bahaa-Eldin nach stundenlangen Verhandlungen zwischen Liberalen und Islamisten als aussichtsreichster Kandidat für das Amt heraus, sagte ein Sprecher von Interimspräsident Adli Mansur. Der Wirtschaftsjurist sagte der ägyptischen Zeitung „Al-Ahram“ jedoch, es gebe noch keine offizielle oder endgültige Entscheidung. Die Salafisten wollen für das Amt des neuen Regierungschefs eine politische neutrale Persönlichkeit.

Auch Friedensnobelpreisträger Mohammed ElBaradei als Vizepräsidenten lehnen sie ab, wie Al-Arabija weiter berichtete. Laut „Al-Ahram“ sollte ElBaradei dieses Amt übernehmen. D er Oppositionsführer und der 48-jährige Bahaa-Eldin würden als „Team“ arbeiten, hieß es. Die Ernennung von ElBaradei zum neuen Chef der Übergangsregierung war am späten Samstagabend dementiert worden. Viele Ägypter stehen ElBaradei skeptisch gegenüber: Der Nobelpreisträger sei zu lange im Ausland gewesen, verstehe die Menschen im Land nicht, heißt es oft. Der Jurist trat 1964 in den diplomatischen Dienst seines Landes ein. 1984 kam er zur Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien, wo er 1997 zum Generaldirektor aufstieg. Die Geschicke der Behörde lenkte er bis Ende 2009.

Unterdessen kam es erneut zu Großdemonstrationen von Gegnern und Befürwortern des gestürzten Präsidenten Mohammed Mursi. Hunderttausende Menschen gingen in der Hauptstadt Kairo und in der Hafenstadt Alexandria auf die Straßen. Größere Zwischenfälle wurden zunächst nicht gemeldet. Anhänger und Gegner des Präsidenten riefen zuvor zu neuen Massenprotesten auf, die Ernennung von Oppositionsführer Mohammed ElBaradei zum Ministerpräsidenten der Übergangsregierung scheiterte. Interimspräsident Adli Mansur drängte zu einem Ende der Spaltung im Land und forderte Mursis Muslimbruderschaft auf, sich dem politischen Prozess anzuschließen.

Die Organisation hinter den Demonstrationen, bei denen Millionen von Ägyptern vergangene Woche den Rücktritt Mursis gefordert hatten, hatte für Sonntag zu einer Großkundgebung auf dem Kairoer Tahrir-Platz aufgerufen, um Unterstützung für die neue Übergangsregierung zu demonstrieren. Auch die Unterstützer der Muslimbrüder drängten wieder auf die Straße. Angesichts der angekündigten Proteste verschärften die Streitkräfte die Sicherheitsvorkehrungen im Land. Das Militär warnte vor „provokativen Aktionen“ und kündigte an, Verstöße entschieden zu ahnden.

ElBaradei, der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), gilt als einer der erbittertsten Rivalen des abgesetzten Präsidenten Mursi. Schon während des Volksaufstands gegen den langjährigen Machthaber Husni Mubarak führte ElBaradei die Oppositionsbewegung an. Mubarak wurde schließlich Anfang 2011 gestürzt. Als die Revolution dann mehr als ein Jahr später im politischen Aufstieg der Muslimbrüder mündete, blieb ElBaradei eine führende Stimme der Opposition.

Am Freitag hatte die Muslimbruderschaft Mursis zu Protesten gegen dessen Entmachtung aufgerufen. Nach Einbruch der Dunkelheit kam es zu blutigen Zusammenstößen mit Gegnern Mursis. 36 Menschen kamen landesweit ums Leben, mehr als 1000 weitere wurden verletzt, wie Mohammed Sultan vom nationalen Ambulanzdienst mitteilte. Brennpunkte der nächtlichen Unruhen waren der Tahrir-Platz und die Nil-Brücke des 6. Oktobers in Kairo sowie Alexandria und das auf der Sinai-Halbinsel gelegene Al-Arisch.

Kurz zuvor hatte der Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Badia, vor Zehntausenden von Islamisten erklärt, die Muslimbruderschaft werde ihre Straßenproteste nicht beenden, bis Mursi wieder als Präsident eingesetzt sei.

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  • Der Islam ist eine relativ gute und (zumindest vor 2000 Jahren) moderne Religion, die von Mohammed gegründet wurde.
    Die Sharia ist die Antwort der Patriarchen, die dadurch ihre Macht bedroht sahen.

    Der Islam ist eine Religion. Die Sharia ist ein Mittel der Unterdrückung und des Terrors.
    Überall auf der Welt kämpfen Terroristen nicht für den Islam, sondern darum, die Sharia einzuführen.
    Auch die Muslimbrüder kämpfen darum, die Sharia zu verteidigen. Die sie ja rechtmässig bei den Wahlen gewonnen und in die Verfassung aufgenommen haben...

  • Giftgruen67@gmail.com
    Wenn dieser Verlauf des arabischen Frühlings in Ägypten das Resultat der Planungen des Westens ist, dann wurden wohl alle Ziele erreicht. Divide et impere. Damit sind alle bisher expansiven islamistischen Kräfte für die nächste Zeit intern gebunden. Bleibt nur zu hoffen, dass die richtige Seite die Oberhand behält.

  • Dank FEMINSMUS/Gleichberechtigung keine Wehrpflicht mehr.
    Keine Wehrpflicht, schwere Waffen die (per Abschreckung) dafür sorgen da sich das Grundstück Bundesrpublik nicht der Nachbar unter den Nagel reisst, werden mittels der Macht des Geldes kontrolliert (Söldnerheere). Söldnerheere = mangelnder PATRiotismus =ohne jegliche Bindug zum Volk/Interessen am Wohlergehen der Zivilbevölkerung!

    Stell dir vor die Armee muss die Konfliktaperteien in einer Bürgerkriegsähnlichen Situation auseinanderhalten und besteht nur aus Söldnern (am besten noch aus dem Ausland angehuert) der einen Bürgerkriegspartei.

    ~~~

    http://gleichberechtigung.urlto.name

    expands to {

    http://sch-einesystem.tumblr.com/post/48462108858/euro-es-gibt-keine-euro-skeptiker-als-solches-das

    }

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