Entschuldigung für Kolonialverbrechen
Wieczorek-Zeul nennt Massaker an Herero «Völkermord»

Entwicklungsministerin Wieczorek-Zeul hat sich in Namibia für die Kolonialverbrechen entschuldigt. Zudem bezeichnete sie als erstes Mitglied einer deutschen Regierung das Massaker an den Herero als Völkermord.

HB BERLIN. Zum ersten Mal hat ein Mitglied einer deutschen Regierung die Niederschlagung des Herero-Aufstands in Namibia vor hundert Jahren als Völkermord bezeichnet. Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) entschuldigte sich in Namibia auf einer Gedenkfeier für den Genozid und betonte, sie spreche für die gesamte Bundesregierung. «Ich bitte Sie im Sinne des gemeinsamen 'Vaterunser' um Vergebung unserer Schuld», sagte sie.

Wieczorek-Zeul schloss jedoch Entschädigungszahlungen an Nachkommen der Opfer aus. «Wir Deutschen akzeptieren unsere historische und moralische Verantwortung und die Schuld, die Deutsche damals auf sich geladen haben», sagte sie bei der Zeremonie in Waterberg.

In Waterberg hatte es vor 100 Jahren die Entscheidungsschlacht zwischen den kaiserlichen Besatzungstruppen unter General Lothar von Trotha und den Volksgruppen Herero und Nama gegeben. Während des drei Jahre andauernden Aufstandes wurden 65.000 Afrikaner getötet.

Die Ministerin sagte, die Grausamkeiten, die damals begangen wurden, würde man heute als Völkermord bezeichnen. «Alles, was ich gesagt habe, war eine Entschuldigung der deutschen Regierung.»

Angesichts der Entschuldigung könnte die Stammesführung erwägen, die vor einem US-Gericht gegen Deutschland eingereichte Klage fallen zu lassen, sagte der Vorsitzende des Gedenkkomitees, Ranongouje Tijihuiko. Der namibianische Minister für Rehabilitierung, Hifikepunye Pohamba, sagte zu der Entschuldigung Wieczorek-Zeuls: «Das ist, worauf wir sehr lange gewartet haben.»

Die deutsche Regierung wolle keine individuellen Entschädigungen leisten, aber die Entwicklungszusammenarbeit mit Namibia fortsetzen, sagte Wieczorek-Zeul. Nach Angaben des Entwicklungsministeriums unterstützt Deutschland das südafrikanische Land jährlich mit 11,5 Millionen Euro. Gemessen an der Bevölkerungszahl seien dies die höchsten Entwicklungsleistungen in ganz Afrika.

General von Trotha hatte 1904 die vollständige Auslöschung der Hereros befohlen. Die Anweisung wurde Ende des Jahres zwar aufgehoben, aber die deutschen Soldaten sperrten die Überlebenden in Arbeitslager, wo zahlreiche weitere Menschen an Unterernährung und Erschöpfung starben. Insgesamt wurden zwei Drittel der Stammesbevölkerung getötet. Historiker sprechen vom ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts.

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