Entsetzen über Wahlausgang
Israel warnt vor „Albtraum Hamastan“

Der palästinensische Wahlausgang mit einem wohl überwältigenden Sieg der radikal-islamischen Hamas hat Israels schlimmste Befürchtungen noch weit übertroffen. Von „Hamastan“ und einer gefährlichen Eskalation ist die Rede. Die Israelis suchen nach Schuldigen für das Desaster - und finden sie in der eigenen Regierung.

HB JERUSALEM. Immer wieder hatten israelische Politiker in den letzten Wochen den "Albtraum von Hamastan" in den Palästinensergebieten beschworen, das nun mit dem Wahlergebnis wahr zu werden scheint. Einer von ihnen, der ehemalige Außenminister Silwan Schalom, sprach am Donnerstag von einem „Erdbeben, das uns um 50 Jahre zurückgeworfen hat und die ganze Region ins Chaos stürzen wird“.

Besonders empört reagierte der Verband der israelischen Terroropfer, Almog, auf den Wahlsieg der Gruppierung, deren militärischer Arm innerhalb von gut einem Jahrzehnt bei blutigen Anschlägen Hunderte von Israelis getötet hat. Die Terroropfer werten den Erfolg von Hamas als einen Beweis für blinden Hass der palästinensischen Bevölkerung auf alle Israelis. Politischer Erfolg sei dort derjenigen Gruppe gewiss, „die mehr von uns tötet“, so ein Sprecher der Organisation.

Nach Ansicht politischer Beobachter könnte der Hamas-Sieg der israelischen Kadima-Partei schwer schaden, die den Gaza-Abzug bei den Parlamentswahlen am 28. März als einen ihrer großen Erfolge darstellen wollte. Die Radikalisierung der palästinensischen Führung könnte in Israel mehr Wähler in die Arme der Parteien treiben, die gegen weitere Gebietskonzessionen an die Palästinenser eintreten.

Bildergalerie: Jubel und Entsetzen nach den Parlamentswahlen

Auf der Suche nach Erklärungen haben Politiker in Israel tatsächlich damit begonnen, gegen die eigene Regierung zu schießen. Der Vorwurf, der Sieg der Hamas sei das Ergebnis der Regierungspolitik unter Ariel Scharon, machte die Runde. Rechtsorientierte israelische Politiker sehen das Wahlergebnis als direktes Resultat des ihnen verhassten Abzugs aus dem Gazastreifen nach der Räumung aller Siedlungen im September vergangenen Jahres. „Auf dem goldenen Tablett des Gaza-Abzugs“ habe die Regierung Ariel Scharon der Hamas den Sieg beschert, schimpfte der Vorsitzende der Nationalen Union, Zvi Hendel. Svulun Orlev von der nationalreligiösen Partei erklärte, die palästinensische Öffentlichkeit sei zu dem Schluss gelangt, dass Selbstmordattentate und der Raketenbeschuss israelischer Grenzorte Israel zum Abzug bewegt hätten.

Der nationalreligiöse Abgeordnete Efraim Eitam erklärte, Hamas- Führer Mahmud al-Sahar solle zum Dank für den Sieg Blumen an den stellvertretenden Ministerpräsidenten Ehud Olmert schicken. Der Likud-Abgeordnete Juval Steinitz bescheinigte im israelischen Radio der israelischen Regierung „tragisches Versagen“, weil sie die Teilnahme der Hamas bei den Wahlen zugelassen habe.

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