Entspannungskurs
China rettet Taiwans Wirtschaft

Das Ende des Konfrontationskurses zwischen China und Taiwan hat sich als wirtschaftlicher Glückgriff für die exportabhängige Wirtschaft Taiwans entpuppt. Mit der Enspannung steigen die chinesischen Investitionen auf der Insel und nähren die Sorgen einiger Taiwanesen vor einem „Ausverkauf“.

PEKING. Taiwans Unternehmen profitieren bereits von der politischen Annäherung der Insel an China. Beim Weg aus der Rezession werde das Festland „zum Schlüssel für den Absatz“, ist Jerry Chen, Chef von Asustek, überzeugt. Wie der Computerhersteller aus Taipeh, als „Erfinder“ der kleinen Netbooks zuletzt global erfolgreich, setzen viele Industrien Taiwans auf die Rettung quasi vor der Haustür – auf China.

Weltweit ist der Markt für Flachbildschirme mit der Krise zusammengebrochen. Doch Taiwans Hersteller von LCD-Anzeigen und Plasmabildschirmen profitieren direkt vom chinesischen Konjunkturpaket, das Landwirten beim Kauf von Fernsehgeräten und Kühlschränken mit erheblichen Prämien hilft. Beim Elektronikhersteller BenQ stieg der Absatz von LCD-Schirmen in China zumindest im 1. Quartal um 200 Prozent, sagt Firmenchef Conway Lee.

Lee sieht aber noch andere Vorteile durch das neue Tauwetter zwischen Peking und Taipeh. „Wenn ich vor einem Jahr zu unserem Werk nach Südchina wollte, musste ich morgens um sechs aus dem Haus und war abends gegen sechs Uhr da“, so der BenQ-Chef. Jetzt sei der Trip in drei Stunden möglich. Grund ist, dass der vor einem Jahr gewählte taiwanesische Präsident Ma Ying-jeou den Konfrontationskurs seines Vorgängers beendet hat. So verbinden nun erstmals seit 1949 Direktflüge die Insel mit dem Festland, auch ein direkter Schiffs- und Postverkehr wurde gestartet. Anfang Mai hat die Regierung in Peking zudem das Verbot von Investitionen in Taiwan beendet, beide Seiten streben ein Freihandelsabkommen an.

Der neue politische Kurs hat sich nach Ansicht von Beobachtern mit Ausbruch der globalen Rezession als Glücksgriff für die Inselwirtschaft erwiesen. Denn Taiwan hängt stark vom Export ab, die Ausfuhren machen zwei Drittel der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Taipeh erwartet dieses Jahr einen Rückgang beim Wirtschaftswachstum von 2,9 Prozent, Goldman Sachs geht sogar von minus sieben Prozent aus – während Chinas Wirtschaft um acht Prozent zulegen soll. Darauf setzen die Firmen der Insel. Denn zweitgrößter Exportpartner Taiwans nach den USA ist die Volksrepublik. Damit sei Taiwan recht gut aufgestellt und werde „von den enger geknüpften Banden zum Festland profitieren“, sagt Prakash Sakpal, Volkswirt der ING Bank in Singapur. Die Nachfrage in China werde Taiwan rascher aus der Rezession holen.

Peking setzt ebenso auf eine engere Anbindung der bislang als „abtrünnig“ angesehenen Provinz. Seit Montag ist die erste chinesische Handelsdelegation auf der Insel, erwartet werden Einkäufe im Wert von zwei Mrd. Dollar. Zu den 40 Firmen aus China gehören der PC-Riese Lenovo, der Elektronikkonzern TCL und der Haushaltsgerätehersteller Haier. Geplant sind Treffen mit 161 taiwanesischen Firmen. Und das ist erst der Anfang: Peking will in diesem Jahr noch acht weitere Einkaufs-trupps nach Taiwan senden.

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