Entwicklungshilfe: Lehren aus den afrikanischen Forderungen

Entwicklungshilfe
Warum viele Afrikaner am Marshallplan zweifeln

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Lehren aus den afrikanischen Forderungen

Aus der afrikanischen Kritik lassen sich Lehren für weitere Schritte ziehen. So muss das konkrete politische und gesellschaftliche Umfeld bei der Ausgestaltung von Wirtschaftskooperationen mehr Beachtung finden. Die Bundesregierung hat von afrikanischen Staaten insofern zurecht Einsatz etwa bei der Bekämpfung von Korruption eingefordert. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Achtung von Menschenrechten. Hier sind zwar in erster Linie die afrikanischen Staaten in der Pflicht.

Doch hat die Bundesregierung im letzten Jahr mit dem Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte Leitlinien für das Handeln deutscher Unternehmen verabschiedet: Diese tragen eine Mitverantwortung für die Einhaltung von Menschenrechten bei ihren Projekten im Ausland. Gerade weil der Aktionsplan auf freiwilligen Selbstverpflichtungen basiert und kein verbindliches Instrument ist, müssen Unternehmen zusätzlich für Schwierigkeiten in diesem Bereich sensibilisiert werden – vor allem in Ländern, in denen sie keine Erfahrungen haben. Darüber hinaus sollte Deutschland seine Außenwirtschaftsförderung nur für Projekte gewähren, die Menschenrechtsstandards umfassend beachten.

Wie die Forderungen der afrikanischen Staaten nach mehr Mitbestimmung im G20-Prozess zeigen, fällt das Angebot der Bundesregierung, eine Partnerschaft auf Augenhöhe einzugehen, auf fruchtbaren Boden. Die stärkere politische Integration sollte für eine langfristig angelegte Zusammenarbeit genutzt werden. Eben diese Kontinuität ist es, mit der die berechtigten Zweifel in den afrikanischen Staaten zerstreut werden können. Weder Armut noch Jugendarbeitslosigkeit – in Südafrika liegt sie bei 50 Prozent – können mit kurzfristigen Initiativen bekämpft werden. Hier braucht es strukturelle Lösungen, die langfristig geplant und mit finanziellen Mitteln unterfüttert werden. Der anstehende G20-Prozess bietet die Chance, entsprechende Ziele zu konkretisieren. Dies wäre ein wichtiges Signal an die afrikanischen Länder, dass das deutsche Interesse am afrikanischen Kontinent über die Fluchtursachenbekämpfung und die anstehende Bundestagswahl hinausreicht.

Dr. Melanie Müller forscht an der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) unter anderem zu Subsahara-Afrika. Die Stiftung berät Bundestag und Bundesregierung in allen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. Ihr Text ist auch auf der SWP-Homepage in der Rubrik „Kurz gesagt“ veröffentlicht worden.

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  • Danke. Ein wirklich guter Beitrag, Frau Müller!

    Jeder von uns kann seinen eigenen Beitrag zur Entwicklungshilfe für Afrika leisten. Unter kiva.org finden sich Menschen in der 3. Welt, die durch Eigeninitiative auf die Beine kommen wollen, und nur ein wenig Anschubfinanzierung brauchen.

    Für US-$ 25 (wird automatisch aus € umgerechnet) kann hier jeder schon einen Kleinkredit gewähren. Die Rückzahlung ist zwar nicht garantiert und es gibt auch keine Zinsen, wenn aber ein paar Punkte beachtet werden, kommt das Geld immer wieder zurück, und man es stets neu verleihen.

    So sollte man nur einzelnen Personen und keinen Gemeinschaften einen Kredit einräumen. Nur Frauen, die wirklich einen Kleinkredit von max. US-$ 1.000 benötigen, den sie auch aus erwirtschaftetem Gewinn zurückzahlen können. Nur solchen, die max. 2 KInder haben, also vernünftig genug sind, ihrem Macho-Mann Einhalt zu gebieten. Nur Projekte finanzieren, die auch erfolgversprechend sind.

    Die Politik? Die sollte zunächst ihren Wirtschaftskrieg gegen Afrika einstellen. Keine Agrarüberschüsse mehr mit Subventionen anheizen. Lieferungen nach Afrika zu Dumpingpreisen verhindern. Das allein genügt bereits, um die Flüchtlingswelle aus Afrika einzudämmen.

  • Die Entwicklungshilfe wird gem. eigener Einschätzung weniger gegeben um den Menschen in Afrika zu helfen, sondern um eigene Gefühle zu befriedigen und Ideologie/(Öko)Religion zu verbreiten.

    Beispielsweise hat man in Ägypten vor längerer Zeit ein kombiniertes Gas/Solar (thermisches) Kraftwerk errichtet. Die Ägypter nutzen dies als Gaskraftwerk der wertlose solare Teil (ca. 75% der Kosten) verfällt.

    Vielfach hat man versucht Entwicklungshilfeprojekte an den (korrupten) einheimischen Eliten vorbei zu errichten. Das führt dann mangels lokalem Know-How zu Effizienzverlusten und unnötigen Kosten.

    Projekte die "Klimwandel", "Erneuerbare Energien", "Frauenförderung", beinhalten können die ökologischen Herzen der Geber erwärmen, der Nutzen für die Empfänger ist begrenzt.

    Wünschenswert wäre es wenn die hiesigen Steuerzahler etwas kritischer auf die Politiker und die Verwendung der gezahlten Steuern schauen würden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette 

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