Entwicklungshilfe trägt wenig zur Armutsbekämpfung bei
G8-Gipfel befasst sich mit Entwicklungshilfe

Geld scheint aus Sicht der Industriestaaten das Allheilmittel für Afrikas Nöte zu sein. Die sieben führenden Industrienationen und Russland (G8) streiten sich bei ihrem Treffen im schottischen Gleneagles nicht mehr darüber, ob die Entwicklungshilfe für den Kontinent aufgestockt werden sollte. Diese Zusage haben die EU-Länder ebenso gegeben wie einen Schuldenerlass für die ärmsten afrikanischen Länder durchgeboxt. Thema in Gleneagles ist nur noch das Wie: Wie soll die Hilfe finanziert werden?

HB BERLIN. Dabei geht diese Frage für viele Entwicklungshelfer und -politiker am Thema vorbei. „Geld ist wichtig, aber nicht immer das Entscheidende“, sagte der entwicklungspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Christian Ruck, dem Handelsblatt. Das Entscheidende sei, vorhandene politische und wirtschaftliche Entwicklungshemmnisse zu überwinden. Anderenfalls stoße die Entwicklungshilfe der Industriestaaten schnell an ihre Grenzen.

Ruck verweist auf das ehemalige Vorzeigeland Simbabwe, das nicht an Geldmangel leidet, sondern von seinem Regierungschef Robert Mugabe systematisch ruiniert wird: „Was soll man da mit Geld ausrichten? Kein Geld der Welt kann die inneren Verhältnisse von Simbabwe umkehren.“ Wo die Regierungen in den Empfängerländern „nicht an ihre eigenen Leute denken und alles in die eigene Tasche wirtschaften“, sei Entwicklungspolitik chancenlos, sagt Ruck. Die Afrikaner seien selbst gefragt, wenn auch mit internationaler Unterstützung, „Verantwortung zu übernehmen und die Strukturen zu so gestalten, dass Entwicklungshilfe auch ankommt“.

Die Liberalen warnen ebenfalls davor, die Finanzmittel aufzustocken. Seit 1970 seien schätzungsweise 400 Mrd. Dollar an Entwicklungshilfe nach Afrika geflossen, sagt FDP-Entwicklungspolitiker Markus Löning. „Trotzdem hat sich in Afrika bis auf ganz wenige Ausnahmen nichts verändert.“ Entwicklungszusammenarbeit sei nur dort wirksam, wo Regierungen eine wachstumsorientierte Wirtschaftspolitik machen würden und sich ihrem Land und ihren Bürgern gegenüber verantwortlich verhielten. Erfolgreich bei der Armutsbekämpfung seien Länder wie Süd-Korea, Malaysia, China, Taiwan oder Indien gewesen, die auf Wirtschaftswachstum und schrittweise Integration in den Weltmarkt gesetzt hätten. „Entwicklungshilfe hat dabei, wenn überhaupt, eine marginale Rolle gespielt“, sagt Löning.

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