Er galt als künftiger Präsident
Südafrikas Ex-Vizepräsident wegen Vergewaltigung angeklagt

Der im Juni aus seinem Amt als Südafrikas Vizepräsident entlassene Jacob Zuma wird für den am Kap regierenden Afrikanischen Nationalkongress (ANC) immer mehr zur Belastung. Nachdem Zuma bereits vor einigen Wochen wegen Korruption in einem Waffengeschäft angeklagt worden war, ist am Dienstag eine noch schwerwiegendere Anklage hinzugekommen.

KAPSTADT. Demnach soll Zuma vor einem Monat die 31-jährige Tochter eines im Exil gestorbenen Weggefährten aus den Tages des Widerstandskampfes in seinem Johannesburger Wohnhaus vergewaltigt haben. Beide Anklagepunkte werden von Zuma dementiert. Der 63-Jährige hat jedoch eingeräumt, mit der Frau Sexualverkehr gehabt zu habe, im gegenseitigen Einverständnis.

Zuma, der am Dienstag gegen eine Kaution auf freien Fuß gesetzt wurde, muss am 13. Februar erneut vor dem Gericht erscheinen. Allgemein wird damit gerechnet, dass sein Fall dann an das Obergericht in Johannesburg verwiesen wird. Zuma beteuerte seine Unschuld. Allerdings habe er sich wegen der Schwere der Anschuldigungen freiwillig entschieden, auf die Teilnahme an Treffen der ANC-Parteispitze für die Dauer seines Verfahrens zu verzichten. Gleichwohl werde er weiter an einfachen Parteiveranstaltungen teilnehmen. Auch wolle er stellvertretender Vorsitzender des ANC bleiben.

Unter Beobachtern und in den Medien gilt Zuma inzwischen jedoch als politisch nicht länger haltbar. Während ihm die Korruptionsvorwürfe bislang wenig anhaben konnten und – ganz im Gegenteil – seine Popularität vor allem in der ANC-Jugendliga sogar steigerten, hat der Vergewaltigungsverdacht sein Ansehen in der Partei untergraben. Selbst seine stärksten Anhänger im Gewerkschaftsbund Cosatu und der Kommunistischen Partei haben sich zuletzt zunehmend von ihm abgewandt.

Zuma galt bis zu den neuesten Vorwürfen als einer der Favoriten auf die Nachfolge von Präsident Thabo Mbeki im Jahr 2009. Im Gegensatz zum intellektuellen und wenig volksnahen Mbeki gilt Zuma als zugänglich und jovial. Im ANC ist der Populist Zuma vor allem unter den ländlichen Schwarzen aber auch den Jugendlichen beliebt. Zuma kommt aus einfachen Verhältnissen und spielte im Kampf gegen die Apartheid eine zentrale Rolle. Gerade deshalb sehen viele seiner Anhänger hinter den Korruptionsvorwürfen ein Komplott seiner früheren Gegner. Zudem gelang es Zuma, der zur Volksgruppe der Zulu gehört, nach seiner Ernennung zum Vizepräsidenten 1999 die blutigen Kämpfe zwischen seinem ANC und der Zulupartei Inkatha in der Küstenprovinz Kwazulu-Natal zu beenden.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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