„Er ist einer, der viel weiß"
Schlüsselfigur des Djindjic-Attentats stellt sich

Der mutmaßliche Anführer der Mörder des serbischen Ministerpräsidenten Zoran Djindjic, Milorad Lukovic - genannt „Legija“, ist am Sonntag mehr als ein Jahr nach dem tödlichen Attentat in Belgrad festgenommen worden. „Er hat sich ergeben“, erklärte der serbische Innenminister Dragan Jocic. Der 39-Jährige habe sich „auf Eigeninitiative“ gestellt, sagte ein Polizeisprecher ohne näherer Einzelheiten zu nennen.

HB BELGRAD. Der Mann namens Milorad Lukovic, alias Legija, habe sich am Sonntag in der Nähe seines Hauses in einem Belgrader Vorort festnehmen lassen, teilte der Sicherheitschef Serbiens, Miroslav Milosevic, mit. Lukovic war Chef der Polizei-Sondereinheit JSO, die in den neunziger Jahren im Balkan-Krieg gekämpft hat. Er war bereits kurz nach dem Attentat am 12. März vergangenen Jahres als Hauptverdächtiger benannt worden. Der Reform-Politiker Djindjic war mitten in Belgrad erschossen worden.

Man hoffe nun, mehr über die ungeklärten Hintergründe der Tat und ihr Motiv zu erfahren, sagten ehemalige und jetztige Regierungsmitglieder der Republik, die gemeinsam mit Montenegro einen lockeren Staatenbund in der Nachfolge Jugoslawiens bildet. „Ich hoffe, er wird alles über zahlreiche Verbrechen erzählen“, sagte der Außenminister des Staatenbundes, Vuk Draskovic. „Er ist einer, der viel weiß.“

Das Attentat ist mit Djindjics Kampf gegen die organisierte Kriminalität im Land in Verbindung gebracht worden oder mit dessen Zusammenarbeit mit dem internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Unter Djindjic hat Serbien gegen den Widerstand nationalistischer Kreise den ehemaligen Präsidenten Slobodan Milosevic sowie andere ehemalige Vertreter von Staat und Armee an das Tribunal ausgeliefert. Sie sind wegen Verbrechen während der Balkan-Kriege angeklagt.

Im Zusammenhang mit dem Attentat auf Djindjic verfolgt die Polizei 13 Verdächtige, fünf davon sind gefasst. Der mutmaßliche Schütze der tödlichen Schüsse, ein stellvertretender Kommandant der Sondereinheit JSO, steht bereits vor Gericht. Das Verfahren hat aber noch kein klares Bild davon ergeben, warum Djindjic getötet wurde, der maßgeblich zum Sturz von Slobodan Milosevic beigetragen und Serbien wieder dem Westen angenähert hat. Djindjics Reformpartei ist inzwischen in der Opposition.

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