Er will Regierung der nationalen Einheit führen
Libanons Ex-Ministerpräsident vor Comeback

Zuerst hat der libanesische Regierungschef Omar Karami nach massiven Protesten vor zehn Tagen seinen Rücktritt erklärt. Nur steht er vor einem politischen Comeback.

HB BEIRUT. In Gesprächen mit Präsident Émile Lahoud erklärten die meisten Parlamentsabgeordneten am Mittwochabend ihre Unterstützung für Karami als neuen Regierungschef. Aus dem Umfeld des Kamamis verlautete, er werde ein Angebot, eine Regierung der nationalen Einheit zu führen, voraussichtlich annehmen.

Unterdessen setzte Syrien die vereinbarte Truppenverlegung in den Osten Libanons in kleinen Schritten fort. Dutzende Lastwagen mit Soldaten und Ausrüstung seien in Richtung der Bekaa-Ebene und der syrischen Grenze gefahren, verlautete aus libanesischen Armeekreisen. Ein dpa-Korrespondent berichtete jedoch, dass am Mittwochnachmittag auf der Hauptverbindungsstraße zwischen Beirut und der syrischen Grenze kaum Militärfahrzeuge zu sehen gewesen seien.

Die Nominierung Karamis solle am Donnerstag nach einem Treffen zwischen Lahoud und Parlamentspräsident Nabil Berri offiziell gekannt gegeben werden, teilte ein Sprecher mit. Karami hatte mit seinem Rücktritt die Konsequenzen aus den massiven Protesten gegen seine Regierung nach dem Mord an seinem populären Vorgänger im Amt und politischem Gegenspieler, Rafik Hariri, gezogen. Die Demonstranten machten Syrien und damit die prosyrische Regierung in Beirut für den Anschlag am 14. Februar verantwortlich. Nach den tagelangen Protesten der Opposition hatten am Dienstag dann aber knapp eine Millionen prosyrische Demonstranten die Beiruter Führung gestützt.

Augenzeugen berichteten am Mittwoch, vier syrische Militärposten in Hammana und Falougha in den Bergen um Beirut seien zum Teil verlassen worden. Sieben Lastwagen mit Soldaten hätten in der Nacht das Gebiet um Hammana verlassen und nahe der Grenze zu Syrien Halt gemacht. Auch andere Augenzeugen berichteten von vereinzelten Truppenbewegungen. Von der syrischen Grenze berichtete ein dpa- Korrespondent allerdings, er habe keinen einzigen Konvoi auf der Straße gesehen. Es seien nur vereinzelte Militärfahrzeuge unterwegs.

Der scheidende libanesische Verteidigungsminister Abdel Rahim Murad hatte am Vorabend den Beginn des Abzugs bestätigt. Von der ersten Verlegung in die näher an der syrischen Grenze gelegene Bekaa- Ebene seien etwa 6 000 Soldaten betroffen, hieß es aus libanesischen Sicherheitskreisen.

Der syrische Botschafter in Washington, Imad Moustapha, sagte dem US-Nachrichtensender CNN, die syrischen Truppen würden Libanon in einer zweiten Phase noch vor den für Mai geplanten Wahlen verlassen. Das war von US-Präsident George W. Bush gefordert worden.

Der außenpolitische Beauftragte der EU, Javier Solana, sagte Libanon die Unterstützung der Europäischen Union bei den für Mai geplanten Wahlen zu und bekräftigte die Forderung nach einem Abzug der syrischen Truppen aus Libanon.

Einen Tag nach einer Massenkundgebung in Beirut bekundeten am Mittwoch in Damaskus mehr als eine halbe Million Syrer angesichts wachsender Kritik des Auslandes an der Staatsführung ihre Unterstützung für Präsident Baschar el Assad. Die Demonstranten wandten sich auf Spruchbändern auch gegen eine amerikanische Einmischung in der Region. Am Vortag waren Hunderttausende Libanesen und Syrer einem Aufruf der prosyrischen Hisbollah gefolgt und hatten in Beirut gegen den US- Einfluss demonstriert.

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